Montag, 22. September 2014

Rittergut Falkenhardt


Das Tor des Rittergut Falkenhardt mit den beiden Türmchen enstand 1915





Eines der beiden Türmchen von der Seite gesehen. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war schon alles stark zugewachsen.





Blick durch das Tor auf die ehemalige Hefefabrik mit Brennerei





Blick durch das Tor auf die der Hefefabrik gegenüber liegenden Stallungen. Die eigentliche Schloßanlage ist durch hohe Bäume verdeckt und deshalb vom Tor aus nicht fotografierbar. Das Hof-Karree ist nicht öffentlich zugänglich.



Falkenhardt ist ein ehemaliges Heide- und Waldgebiet (heute nur noch Waldgebiet) am Ostrand des Heeder Moor ca. 1 km nördlich des Stadtgebietes von Diepholz, von dem es durch das Huntetal getrennt ist. Das dortige, gleichnamige Rittergut war ursprünglich eine landesherrliche Schäferei. Im Jahre 1608 verkaufte Herzog Ernst zu Braunschweig-Lüneburg (1564-1611) das Gelände dem Diepholzer Burgmann Harteke von Stemshorn, der hier einen Gutshof errichtete. 1619 wurde der Hof zum landständigen Gut erhoben. 1722 erlosch die Familie von Stemshorn in männlicher Linie, und das Gut ging durch Erbschaft an die Familie von Sandbeck aus Stelle bei Bremen. 1778 kam es zum Neubau des Wohnhauses auf einer hufeisenförmigen Hofanlage. 1794 kaufte Carl August Friedrich von Voß (der Gutsherr der Münte) das Rittergut Falkenhardt. Die Familie von Voß erlosch 1871 in männlicher Linie. Erbe von Falkenhardt war Adolf von Arenstorff. Um 1875 bestand es aus Falkenhardt, Diekamp, einem Teil von Ovelgönne (Sankt Hülfer Kamp), Vossen Neufeld, Junkernhäuser, einem Teil des Diepholzer Fladder, sowie aus weiteren Besitzungen im Diepholzer Stadtgebiet. 

1901 verkaufte Arenstorff das Gut dem Brennereibesitzer Ludwig Kellenberg zu Kellenberg.  Dieser ließ das Gut in seiner heute noch erhaltenen Karree-Form mit einer hohen Mauer, den martialisch anmutenden Tortürmchen, den Wirtschaftsgebäuden und der kleinen Schloßanlage umbauen. Kellenberg betrieb auf Falkenhardt eine Schnapsbrennerei, in der er die Produktion später auf Spiritus, Reinalkohol und Hefe umstellte. Die Landwirtschaft des Gutes trat nach und nach in den Hintergrund, viele Ländereien wurden verpachtet. Die Tochter und Erbin Kellenbergs, Emmy, heiratete 1924 den aus dem Vogtland stammenden Georg Freiherr von Wagner. Die 1920er und 30er Jahre waren auf Falkenhardt ein Höhepunkt landadeligen Lebens: Auf dem Gut gab es neben dem herrschaftlichen Schloß 15 Haushalte, in denen Häuslinge, Schloßpersonal und Guts-Arbeiter wohnten. Am Ende des Zweiten Weltkriegs machte sich der Oberbefehlshaber der britischen Besatzungsarmee Feldmarschall Bernhard Montgomery das Herrenhaus für kurze Zeit zu seiner Residenz. Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland begann auf Falkenhardt unter der Familie von Wagner neben der Hefeproduktion die Spiritusbrennerei im großen Stil aus von auswärts angelieferter flüssiger Melasse (ein Nebenprodukt der Zuckerherstellung). Dazu wurden in den 1960er Jahren zwei riesige, grüne Melassetanks vor dem Gut errichtet. Hefefabrik und Brennerei wurden vermutlich in den 1990er Jahren stillgelegt. Noch heute befindet sich das Gut im Eigentum der Familie von Wagner. Verkaufsgerüchte konnten bisher noch nicht bestätigt werden. 

Der Verbindungsweg zwischen dem Stadtgebiet und Falkenhardt war schon vor dem Bau der Chaussee die Ovelgönne, die damals ein unbefestigter, zeitweise fast unpassierbarer Weg war, der am Gut Falkenhardt endete. Der Fernweg nach Vechta erfolgte damals über den Philosophenweg. Erst 1832 ließ von Voß die freie Passage über Ovelgönne und sein Grundstück nach Vechta zu. 1873 wurde daraus die Chaussee nach Vechta (die heutige B 69). Siehe auch unter Ovelgönne

Gegenüber (an der Ostseite der B 69) dem Rittergut Falkenhardt entstand nach dem Zweiten Weltkrieg ein katholisches Altersheim, eine große Anlage im reinen Heimatschutzstil. Anfang des 21. Jahrhunderts wurde sie abgerissen. An ihrer Stelle befindet sich heute eine moderne Eigenheim-Wohnsiedlung. Ursprünglich gehörte Falkenhardt zur Landgemeinde Aschen. Erst 1974 wurde Aschen, damit auch Falkenhardt, in die Stadt Diepholz eingemeindet.   





Tor des landwirtschaftlichen Teiles von der Hofseite gesehen. Auf der Straßenseite ist es völlig zugewachsen und deshalb nicht fotografierbar.





Blick vom landwirtschaftlichen Tor auf die Betriebsgebäude. Das Türmchen im Hintergrund gehört zur Schloßanlage.




Das Brennereigebäude auf der Straßenseite





Seiteneingang zur Brennerei





Rückseite des Brennereigebäudes




Eine der Grabplatten früherer Eigentümer des Gutes






Einer der beiden früher weithin sichbaren Melassetanks aus dem Jahre 1963





Detail an einem der Melassetanks