Sonntag, 8. Juni 2014

Am Heldenhain

Straße "Am Heldenhain" in West-Ost-Richtung gesehen. Im Vordergrund die Kreuzung mit  Philosophenweg und Kohlhöfen





Das schmiedeeiserne Tor zum Friedhof





Der Heldenhain



"Am Heldenhain" heißt die Straße, welche die Ovelgönne am Philosophenweg mit der Straße "Auf dem Esch" verbindet. Auf der topografischen Karte von 1897 ist diese Straße noch nicht vorhanden. Der Zugang zum Friedhof war damals am Philosophenweg. Vermutlich entstand die Straße "Am Heldenhain" erst mit dem Bau des Heldenhain (Hain = Park) in den 1920er Jahren. Nach der Aufhebung des Kohlhöfen als Bundesstraße in den 1960er Jahren wurde "Am Heldenhain" als Teil der B 69 eine Fernverkehrsstraße, seit der Fertigstellung der Ortsumgehung wieder eine einfache Stadtstraße.

In den 1920er Jahren, während der Zeit der Weimarer Republik, wurde das große Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges erbaut und im dafür gestalteten Heldenhain aufgestellt. Noch in den 1950er Jahren bestand er aus einer Rasenfläche mit pyramidenförmig geschnittenen Buchsbäumen oder Eiben, sowie einer altarartigen Erhöhung mit dem Denkmal und einer Freitreppe. In den 1960er oder frühen 1970er Jahren wurde der Heldenhain umgestaltet. Die pyramidenförmigen Bäumchen verschwanden ebenso wie die Freitreppe. Die Rasenfläche wurde mit einem Gittermuster aus Klinkern versehen und die Anlage mit Bäumen bepflanzt.  

Das erste Bild ganz oben zeigt die Straße "Am Heldenhain". Links befindet sich der seit 1599 benutzte Friedhof. Das schmiedeeiserne Tor zum Friedhof (zweites Bild von oben) gestaltete im Jahre 1905 der Schlossermeister Fritz Diestelhorst. Es stand ürsprünglich am Philsophenweg und wurde später zum neuen Zugang zum Friedhof an der Straße "Am Heldenhain" umgesetzt. Auf dem dritten Bild sieht man einen Überblick über den Heldenhain. Im Vordergrund befindet sich das extrem schlichte Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges, des katastrophalen und wahnsinnigen Eroberungs- und Vernichtungskrieges Nazi-Deutschlands. Die ersten drei Bilder unterhalb dieses Textblocks zeigen das Denkmal aus dem Jahre 1922 für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. An dem Heldenkult, den das Denkmal verkörpert, kann man erkennen, daß sich in dieser Hinsicht in der Weimarer Republik gegenüber dem Kaiserreich offenbar nicht viel geändert hatte. Der Erste Weltkrieg ergab sich aus dem Nationalismus, der Konkurrenz der europäischen Großmächte um Vorherrschaft und Rohstoffquellen und den Bündnissystemen dieser imperialen Mächte. Der Krieg wurde zum ersten "industriellen" Krieg, in dem ungeheure Massen an Material aus Serienproduktion und gleiche Massen an "Menschenmaterial" ununterbrochen an die erstarrten Fronten gingen und der Kriegsindustrie entsprechende Profite bescherte. Auf dem vierten bis sechsten Bild unterhalb dieses Textblocks ist das Denkmal für die Gefallenen des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 zu sehen. Er war ein völlig sinnloser Krieg, den niemand wollte, außer Bismarck, der sich davon die deutsche Einigung unter preußischer Vorherrschaft versprach und diese damit erreichte. Die Demütigung Frankreichs trug zu dem darauf folgenden Weltkrieg und seiner Folgen bei. Das Denkmal stand ursprünglich bis in die 1950er Jahre an der Bahnhofstraße. An der Spitze trug es eine Weltkugel mit einem Adler. Irgend jemand hat dann veranlaßt, diese abzuschlagen, was wohl als Denkmalschändung anzusehen ist, denn Denkmäler sind Zeugnisse der Vorstellungen und des Denkens ihrer Zeit, damit Dokumente und ein Kulturerbe, egal ob ein positives oder negatives.
 





Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges





Detail des Denkmals





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Denkmal für die Gefallenen von 1870/71




Detail des Denkmals





Weiteres Detail des Denkmals