Samstag, 29. November 2014

Diepholzer Schloss

Das Schloss vom ehemaligen Gut "Münte" aus gesehen





Schloss mit Tor und Auffahrt





Eingang in den Nordflügel, in das "Alte Haus", dem ältesten erhaltenen Gebäudeteil des Schlosses. Über dem Eingang die Wappen der Grafenhäuser Diepholz und Hoya.



Das Schloss ist das Wahrzeichen und der Ursprung der Stadt Diepholz. Es entstand im 12. Jahrhundert als Residenz der Edelherren (später Grafen) von Diepholz. Zunächst handelte es sich vermutlich lediglich um einen befestigten Wohnturm. Der aus großen, behauenen Feldsteinen erbaute, nahezu unzerstörbare untere Teil des Turmes ist bis heute erhalten geblieben. Der Wirtschaftshof der Burg befand sich am Südende des Willenberg. Um die Burg entstand der Burgmannsbezirk mit freien, teils adeligen Höfen, und nördlich davon die Stadt Diepholz.

Im 16. Jahrhundert waren die Grafen von Diepholz auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Das Wasserschloß bestand mittlerweile aus Gebäudeflügeln im Renaissance-Stil und einem hohen Turm mit einer langen Spitze. Nach dem Aussterben der Grafen von Diepholz fielen im Jahre 1585 Grafschaft und Schloss an die Celler Linie der Welfen. Im Schloss residierte fortan ein Drost oder Vogt (später Amtmann) im Auftrag des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg (später Kurfürstentum Hannover). Am Beginn des 30-jährigen Krieges wurde das Schloss zu einer kleinen Festung mit sehr breitem Graben, Wall und Bastionen ausgebaut. Im Laufe des Krieges wurde es bis auf den Turmsockel und Teile des Nordflügels (das "Alte Haus") zerstört. 1663 erfolgte unter Herzog Christian Ludwig der Wiederaufbau des Schlosses. Der Turmsockel erhielt dabei den heute noch vorhandenen Fachwerkaufsatz mit dem barocken helmförmigen Dach. Der Wall wurde in den Burggraben geschüttet und dieser damit deutlich verschmälert, das "Alte Haus" repariert und neue Gebäudeflügel auf den alten Grundmauern aufgebaut. Dieser neue Bauzustand von 1663 ist im Großen und Ganzen bis heute erhalten geblieben.

Nach der Trennung von Justiz und Verwaltung im Königreich Hannover im Jahre 1852 diente das Diepholzer Schloß auch als Amtsgericht. Seit dem Neubau der Kreisverwaltung an der Niedersachsenstraße Anfang der 1950er Jahre wird das Schloss ausschließlich nur noch als Amtsgericht genutzt. Im Turm befindet sich ein kleines Museum des örtlichen Heimatvereins. 

Eine durchgehende Straße am Schloss vorbei nach Süden gab es bis zum Bau der "Neuen Holländischen Poststraße" im Jahre 1798 nicht, das Schloss war direkt von Süden her gar nicht erreichbar. Bis dahin war der einzige Zugang zum Schloß der Südteil der Langen Straße von der Innenstadt aus.

Eine ausführliche Beschreibung des Schlosses und weitere Bilder unter  http://www.bildergalerie-diepholz.de/html/body_schloss.html






Südseite des Schlosses mit Rosengarten





Der Schlossturm von Süden gesehen





Eine letzte blühende Rose im November



Montag, 22. September 2014

Rittergut Falkenhardt


Das Tor des Rittergut Falkenhardt mit den beiden Türmchen enstand 1915





Eines der beiden Türmchen von der Seite gesehen. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war schon alles stark zugewachsen.





Blick durch das Tor auf die ehemalige Hefefabrik mit Brennerei





Blick durch das Tor auf die der Hefefabrik gegenüber liegenden Stallungen. Die eigentliche Schloßanlage ist durch hohe Bäume verdeckt und deshalb vom Tor aus nicht fotografierbar. Das Hof-Karree ist nicht öffentlich zugänglich.



Falkenhardt ist ein ehemaliges Heide- und Waldgebiet (heute nur noch Waldgebiet) am Ostrand des Heeder Moor ca. 1 km nördlich des Stadtgebietes von Diepholz, von dem es durch das Huntetal getrennt ist. Das dortige, gleichnamige Rittergut war ursprünglich eine landesherrliche Schäferei. Im Jahre 1608 verkaufte Herzog Ernst zu Braunschweig-Lüneburg (1564-1611) das Gelände dem Diepholzer Burgmann Harteke von Stemshorn, der hier einen Gutshof errichtete. 1619 wurde der Hof zum landständigen Gut erhoben. 1722 erlosch die Familie von Stemshorn in männlicher Linie, und das Gut ging durch Erbschaft an die Familie von Sandbeck aus Stelle bei Bremen. 1778 kam es zum Neubau des Wohnhauses auf einer hufeisenförmigen Hofanlage. 1794 kaufte Carl August Friedrich von Voß (der Gutsherr der Münte) das Rittergut Falkenhardt. Die Familie von Voß erlosch 1871 in männlicher Linie. Erbe von Falkenhardt war Adolf von Arenstorff. Um 1875 bestand es aus Falkenhardt, Diekamp, einem Teil von Ovelgönne (Sankt Hülfer Kamp), Vossen Neufeld, Junkernhäuser, einem Teil des Diepholzer Fladder, sowie aus weiteren Besitzungen im Diepholzer Stadtgebiet. 

1901 verkaufte Arenstorff das Gut dem Brennereibesitzer Ludwig Kellenberg zu Kellenberg.  Dieser ließ das Gut in seiner heute noch erhaltenen Karree-Form mit einer hohen Mauer, den martialisch anmutenden Tortürmchen, den Wirtschaftsgebäuden und der kleinen Schloßanlage umbauen. Kellenberg betrieb auf Falkenhardt eine Schnapsbrennerei, in der er die Produktion später auf Spiritus, Reinalkohol und Hefe umstellte. Die Landwirtschaft des Gutes trat nach und nach in den Hintergrund, viele Ländereien wurden verpachtet. Die Tochter und Erbin Kellenbergs, Emmy, heiratete 1924 den aus dem Vogtland stammenden Georg Freiherr von Wagner. Die 1920er und 30er Jahre waren auf Falkenhardt ein Höhepunkt landadeligen Lebens: Auf dem Gut gab es neben dem herrschaftlichen Schloß 15 Haushalte, in denen Häuslinge, Schloßpersonal und Guts-Arbeiter wohnten. Am Ende des Zweiten Weltkriegs machte sich der Oberbefehlshaber der britischen Besatzungsarmee Feldmarschall Bernhard Montgomery das Herrenhaus für kurze Zeit zu seiner Residenz. Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland begann auf Falkenhardt unter der Familie von Wagner neben der Hefeproduktion die Spiritusbrennerei im großen Stil aus von auswärts angelieferter flüssiger Melasse (ein Nebenprodukt der Zuckerherstellung). Dazu wurden in den 1960er Jahren zwei riesige, grüne Melassetanks vor dem Gut errichtet. Hefefabrik und Brennerei wurden vermutlich in den 1990er Jahren stillgelegt. Noch heute befindet sich das Gut im Eigentum der Familie von Wagner. Verkaufsgerüchte konnten bisher noch nicht bestätigt werden. 

Der Verbindungsweg zwischen dem Stadtgebiet und Falkenhardt war schon vor dem Bau der Chaussee die Ovelgönne, die damals ein unbefestigter, zeitweise fast unpassierbarer Weg war, der am Gut Falkenhardt endete. Der Fernweg nach Vechta erfolgte damals über den Philosophenweg. Erst 1832 ließ von Voß die freie Passage über Ovelgönne und sein Grundstück nach Vechta zu. 1873 wurde daraus die Chaussee nach Vechta (die heutige B 69). Siehe auch unter Ovelgönne

Gegenüber (an der Ostseite der B 69) dem Rittergut Falkenhardt entstand nach dem Zweiten Weltkrieg ein katholisches Altersheim, eine große Anlage im reinen Heimatschutzstil. Anfang des 21. Jahrhunderts wurde sie abgerissen. An ihrer Stelle befindet sich heute eine moderne Eigenheim-Wohnsiedlung. Ursprünglich gehörte Falkenhardt zur Landgemeinde Aschen. Erst 1974 wurde Aschen, damit auch Falkenhardt, in die Stadt Diepholz eingemeindet.   





Tor des landwirtschaftlichen Teiles von der Hofseite gesehen. Auf der Straßenseite ist es völlig zugewachsen und deshalb nicht fotografierbar.





Blick vom landwirtschaftlichen Tor auf die Betriebsgebäude. Das Türmchen im Hintergrund gehört zur Schloßanlage.




Das Brennereigebäude auf der Straßenseite





Seiteneingang zur Brennerei





Rückseite des Brennereigebäudes




Eine der Grabplatten früherer Eigentümer des Gutes






Einer der beiden früher weithin sichbaren Melassetanks aus dem Jahre 1963





Detail an einem der Melassetanks





Sonntag, 17. August 2014

An der Bahn

 
Blick von der Straße "An der Bahn" auf das historische Bahnhofsgebäude. Halblinks befindet sich der ZOB. Er wurde zusammen mit dem Bau des Bahnhofstunnels und der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes eingerichtet. Früher befanden sich hier die an allen Bahnhöfen üblichen Lagerplätze und Schuppen.





Sehr romantisch: An der Bahn Hausnummer 13 steht schon seit vielen Jahren leer. Es ist ein ehemaliges Wohnhaus mit kleiner Bauerei vermutlich aus dem frühen 20. Jahrhundert. Das Haus gehört zu den wenigen Resten der ältesten Bebauung der Straße. Es befindet sich zwischen den Einmündungen der Luisenstraße und dem Weizenkamp.





Die alte Garage des Hauses Nr.13 aus der Frühzeit des Automobils.





Blick vom Haus Nr.13 in Richtung Schloß und Innenstadt.




"An der Bahn" heißt die Straße, die gegenüber der Grafenstraße von der Bahnhofstraße abzweigt und entlang des Bahndammes ca. 7 km weit nach Süden bis in den Bereich der Gemeinde Lembruch führt. Vermutlich wurde der Weg 1871 zusammen mit dem Bau der Eisenbahnstrecke  angelegt. Auf der Karte von 1897 ist er bereits vorhanden, aber nur bis Hartlage durchgehend und direkt parallel des Bahndammes. Laut Guttzeit wurde "An der Bahn" erst 1932 zum öffentlichen Gemeindeweg erklärt.

Im Bereich des Bahnhofs Diepholz war "An der Bahn" von entsprechenden Lagerschuppen und Lagerplätzen gesäumt. Die Bebauung mit Wohnhäusern war nur sehr gering. Erst nach dem Bau der Verbindungsstraße von "An der Bahn" zum Willenberg Anfang des 21. Jahrhunderts wurde "An der Bahn" zwischen dem Bahnhof und dieser Verbindungsstraße mit neuen Wohnhäusern bebaut. Dazu gehört auch der Bereich an der Barlager Hüde, einem kleinen Kanal des alten Stadtgrabensystems, der die Lohne mit der Strothe verband und heute verrohrt ist. Dort stand bis in die 1980er Jahre ein mächtiger, 1948 erbauter Wasserturm zum Auftanken der Dampflokomotiven. Dieser bezog sein Wasser aus der Barlager Hüde. Der Wasserturm war im Baustil der NS-Zeit angelegt und dadurch so markant und exemplarisch, daß er 1979 von dem Fotografie-Künstler-Ehepaar Bernd und Hilla Becher fotografiert wurde. Das Foto befindet sich in ihrem großformatigen Buch "Wassertürme" (ISBN 3-88814-255-5) auf Seite 221.

Etwa 1 km südlich des früheren Wasserturmes befindet sich direkt "An der Bahn" die Abzweigung der Strothe von der Lohne. Wann diese Abzweigung angelegt worden ist, ist mir nicht bekannt. Auf der Karte von 1897 ist sie noch nicht vorhanden. Damals war die Strothe noch ein Naturfluß, der keine unmittelbare Verbindung zur Lohne hatte, sondern im Bereich Hartlage entsprang und bei St.Hülfe in die Grawiede mündete. Die oben erwähnte Abzweigung war von der Kaiserzeit bis in die 1960er Jahre ein beliebter (inoffizieller) Badeplatz, der im Volksmund "Deutsches Eck" genannt wurde. Der Name entstand vermutlich ebenfalls in der Kaiserzeit. 

Im weiteren Verlauf "An der Bahn" in Richtung Süden etwa 600 m südlich des "Deutschen Eck" kreuzt die Straße den heute stillgelegten Anschluß der Fliegerhorst-Bahn an die Hauptstecke. Die Anschlußstelle verfügt über ein weiteres Neben- oder Abstellgleis. Hier wurden früher die Übergabezüge von der Bundesbahn abgestellt und von einer kleinen Bundeswehr-Diesellok mit Tarnanstrich abgeholt. 

Der gesamte Bereich von "An der Bahn" vom Bahnwärterhaus bis zum Endpunkt kurz vor Lembruch ist noch heute bis auf zwei kleine Gehöfte, zwei weitere Wohnhäuser und weitere ehemalige Bahnwärterhäuser, die aber auf der Ostseite der Bahngleise stehen, unbesiedelt.   




Der alte Güterschuppen an der Einmündung Nährweg.





Blick von der Straße "An der Bahn" in Richtung Süden am Bahnwärterhaus





Die Abzweigung der Strothe von der Lohne wird im Volksmund "Deutsches Eck" genannt. Sie war früher ein beliebter Badeplatz.





"An der Bahn" in Richtung Norden (stadteinwärts) gesehen. Im Vordergrund das stillgelegte Anschlußgleis der Fliegerhorst-Bahn. 





Sonntag, 10. August 2014

Ovelgönne

Die Ovelgönne in Richtung stadtauswärts gesehen. Die Häuserreihe auf der rechten Seite entstand in den frühen 1950er Jahren. Hinter der Hecke auf der linken Seite verbirgt sich die parallel verlaufende Martin-Luther-Sraße. Sie entstand in den 1950er Jahren mit einer Wohnsiedlung im "Heimatschutzstil" ähnlich der Pommernstraße.





Nördlich der Einmüdnung der Thüringer Straße lag das Gut oder die Hofstelle Ovelgönne. Heute befindet sich dort ein Autohof.





Dieses Foto des sich im Abriß befindenden Gutes (oder der Hofstelle) Ovelgönne habe ich im Jahre 2009 buchstäblich in letzter Minute gemacht. Es zeigt die Hofseite, also die der Straße abgewandte Seite. Das mächtige Fachwerkhaus ist vermutlich noch vor dem Zweiten Weltkrieg verputzt worden. Der Giebel auf der Straßenseite mit dem großen Dielentor war mit Ziegeln verklinkert. Der letzte Eigentümer,.ein Blumenhändler, legte in den 1980er oder 90er Jahren eine Schicht helle (gelbliche) Klinker darüber und ersetzte das Dielentor durch eine stilwidrige kleine Haustür, was das historische Gebäude sehr unansehnlich machte und vollkommen verdarb.



 Ovelgönne heißt die Ausfallstraße nach Vechta zwischen der Kreuzung Am Heldenhain/Philosophenweg/Kohlhöfen und dem Rittergut Falkenhardt. Ursprünglich befand sich hier nur ein unbefestigter, zeitweise kaum passierbarer Weg (verzeichnet auf der Karte von 1773), der Diepholz mit dem Gut Diekamp und dem Rittergut Falkenhardt verband. Vor Diekamp war der Weg durch einen Schlagbaum gesperrt. Der Fernweg nach Vechta lief damals über den Philosophenweg, der gleichzeitig auch der Fernverkehrsweg in Richtung Bremen war. Erst 1832 ließ der Gutsherr von Falkenhardt von Voß die freie Passage über seine Güter Diekamp und Falkenhardt in Richtung Vechta zu. 1873 wurde dieser Weg zwischen Diepholz und Falkenhardt als Teil der neuen Chaussee erneuert und befestigt und löste damit den Philosophenweg als Straße nach Vechta endgültig ab. Somit bestand eine durchgehende befestigte Chaussee vom Bremer Eck über Kohlhöfen und Ovelgönne nach Vechta und weiter nach Oldenburg, die spätere Bundesstraße 69. Mit dem Ausbau der Straße "Am Heldenhain" als B 69 in den 1960er Jahren, wurde die Ovelgönne vom Kohlhöfen getrennt. 

Die Ovelgönne war eine malerische, in sanften Kurven als Lindenallee (ursprüglich Eichenallee) auf einem Damm das Huntetal überquerende Straße, und blieb dies im Wesentlichen bis zur Fertigstellung der Ortsumgehung im Jahre 2008. Heute wird der Bereich durch die Kreuzung mit der Umgehungsstraße (B 51) in Form eines Verkehrskreisels und den großen Aral-Autohof mit Lkw-Parkplatz absolut dominiert.

Der Name der Straße "Ovelgönne" steht vermutlich im Zusammenhang mit dem gleichnamigen Gut (oder Hofstelle), das zuletzt die Hausnummer 17 hatte und sich weit nördlich des Stadtgebietes zwischen den Einmüdungen der heutigen Thüringer Straße und dem Kohlhöfer Maschweg (beide damals unbefestigte Feldwege) befand. Laut Guttzeit wird bereits 1674 ein Claus von der Övelgünne im Diepholzer Kirchenbuch genannt. Die Hofstelle erscheint 1688 als "die Övelgünne".  Im Jahre 1901 schreibt H.Gade in seiner historisch-geographisch-statistischen Beschreibung der Grafschaft Diepholz: "Oevelgönne, Gut, 1 km nördlich von Diepholz, Fleckensgem., Schulgem., Pf. und Standesamt Diepholz, 1895 3 Wohnhäuser, 15 Einwohner." Die drei Wohnhäuser und 15 Einwohner überraschen. Möglicherweise hat Gade die südlich angrenzende Hofstelle Bultmann hinzugezählt. 
Der Hof Ovelgönne ist später niedergegangen. Als letzter landwirtschaftlicher Betrieb wurde er in den 1970er Jahren von Dörthe Meyer (geb. Knüpling) und ihrem Ehemann mehr oder weniger als Nebenerwerb betrieben, dann an einen Blumenhändler verkauft, und schließlich mit dem Bau der Umgehungsstraße abgerissen. Der Hof ist spurlos verschwunden. An seiner Stelle befindet sich heute der Autohof. Unmittelbar südlich des Hofes Ovelgönne befand sich der Gasthof Bultmann, im Volksmund "Aschener Bahnhof" genannt, der als Kneipe noch mindestens bis Anfang der 1980er Jahre in Betrieb war. Diese Hofstelle wird 1710 erstmals genannt. Auf der Karte von 1773 werden beide Hofstellen unter der Ortsteil-Bezeichnung "Obelgünne" zusammengefaßt.  Auch der Gasthof wurde vor einigen Jahren abgerissen und ist spurlos verschwunden. Heute befindet sich dort die Brachfläche neben der Kunststoff-Fabrik "Omega".

Nördlich des Gutes Ovelgönne auf halber Strecke nach Falkenhardt lag auf der gegenüber liegenden Straßenseite das adelig freie Gut Diekamp. Es wurde 1673 von Herzog Ernst August der Osnabrücker Familie von Glan als freies Lehen überlassen. Eberhardt von Glan war mit einer von Voß verheiratet. 1740 fiel das Gut an den Familienzweig der von Voß, dem auch die Münte gehörte. Da von Voß 1794 das Rittergut Falkenhardt kaufte, gehörte Diekamp fortan zu diesem. Um 1914 hatte Diekamp als landwirtschaftliches Gut keine Bedeutung mehr und war nur noch an eine Arbeiterfamilie vermietet. Nach dem Ersten Weltkrieg ließ es der damalige Eigentümer von Falkenhardt, Ludwig Kellenberg, abreißen. Keine Spur blieb erhalten. Diekamp befand sich dort, wo heute der Verkehrskreisel ist. 

Auf der Karte von 1897 ist die Ovelgönne nördlich des Kohlhöfen bis auf die beiden Hofstellen "Ovelgönne"  und das Gut Diekamp noch vollständig unbesiedelt.

Die Ovelgönne hat sich in den vergangenen Jahren sehr stark von einer recht romantischen Straße zu einem eher tristen Bereich von Diepholz verändert. Die Idylle ist dem wirtschaftlich-technischen Fortschritt zum Opfer gefallen. Die Fotos zeigen die noch bestehenden Reste, die entfernt an das einstige Aussehen erinnern, wenn man es noch in Erinnerung hat.   




Der gekappte Teil der Ovelgönne, der an den Kohlhöfen anschließt, an der ehemaligen Einmündung der Pommernstraße in Richtung stadteinwärts gesehen: Hier sieht man noch den ursprünglichen Straßenbelag (Blaubasalt mit einer dünnen Schicht Asphalt) und im Hintergrund eine der prachtvollen alten Linden der ursprünglich durchgehenden Allee. 





An der Ecke Ovelgönne/Pommernstraße befindet sich eine der letzten Litfaßsäulen von Diepholz. Sie wird schon seit vielen Jahren nicht mehr beklebt.





Sonntag, 27. Juli 2014

Hinterstraße

Unglaublich trostlos: Blick von Süden in den Nordteil der Hinterstraße, im Vordergrund die Kreuzung mit der Bahnhofstraße.






Schlimmer geht es kaum: Nordteil der Hinterstraße, vorne rechts die Ruine der ehemaligen Schlachterei Samenfeld, dahinter das graue Parkhaus aus der Zeit um 1980.



Die Hinterstraße gehört zu den ältesten Straßen im Stadtkern von Diepholz. Sie zweigte als schmale Kopfsteinpflaster-Gasse neben dem heutigen Geschäfthaus Ahrens an der Langen Straße von dieser ab und führte östlich parallel der Langen Straße bis zur St.-Nicolai-Kirche, wo sie wieder in die Lange Straße einmündete. Die Hinterstraße wird 1612 erwähnt, wahrscheinlich ist sie aber älter. 1670 wird sie "Hinterplanke" genannt, weil sie zum Teil außerhalb der alten Plankenbefestigung im Burgmannsbezirk lag. Bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Hinterstraße mit historischer Bausubstanz dicht bebaut. Im Nordteil waren zuletzt die Kohlenhandlung Barmeyer mit ihrem großen alten Lagerhaus, sowie die Schlachtereien Otto (mit Ladengeschäft an der Langen Straße) und Samenfeld (Ecke Bahnhofstraße) besonders markant. Damals schlachteten die Fleischereigeschäfte noch fast alle selbst. Ebenso markant war das recht städtisch wirkende Geschäftshaus im Stil des Historismus aus der Zeit um 1900 bzw. des späten 19.Jahrhunderts, das gegenüber der Fleischerei Samenfeld lag (zuletzt Buchhandlung Günzel). Das Haus stand an der Kreuzung Bahnhofstraße/Hinterstraße und gehörte zur Bahnhofstraße. Der südliche Teil der Hinterstraße, d.h. südlich der Kreuzung mit der Bahnhofstraße, war von zahlreichen alten Ackerbürgerhäusern und einem Burgmannshof geprägt. Die Hinterstraße war insgesamt ein Inbegriff einer romantischen Altstadt.

Anfang der 1980er Jahre wurde mit dem Umbau der Langen Straße zur Fußgängerzone die Gasse Hinterstraße zur Umfahrung der Fußgängerzone verbreitert und asphaltiert, sowie die Verbindung zur Wellestraße geschaffen. Damit verbunden war ein unglaublicher Kahlschlag historischer Bausubstanz. Im Nordteil blieb bis auf die häßliche Ruine der Fleischerei Samenfeld nichts Altes erhalten, alles wurde restlos plattgemacht, und mit den gesichtslosen, grauen Neubauten der Langen Straße (Rückseite an der Hinterstraße) und dem Parkhaus bebaut. Der Bereich ist heute mit Abstand der häßlichste, trostloseste und unansehnlichste Bereich der Innenstadt. Aber auch der Südteil der Hinterstraße wurde plattgemacht. Allerdings  restaurierte man dort ein Fachwerkhausensemle bestehend aus drei Gebäuden und baute den Burgmannshof neu auf. Horst Schöttler schrieb 1980: "[...] Warum der bauliche Kahlschlag in der südlichen Hinterstraße, wo die alten Fachwerkhäuser gleich reihenweise Parkplätzen weichen mußten und der unter Denkmalschutz stehende Bau auf dem Grund eines Burgmannssitzes noch 1979 abgebrochen wurde, um durch einen epigonenhaften, aber profitableren Fachwerkbau ersetzt zu werden, der nur noch Fachwerkkulisse ist? [...]" (Zit. aus "Schöttler, Schöne Grüße aus Diepholz")

Die Kreuzung der Hinterstraße mit der Bahnhofstraße ist heute verkehrstechnisch ein Nadelöhr. Seit dem Bau des Bahnhofstunnels geht ein Großteil des Verkehrs aus Diepholz-Ost über die Bahnhofstraße. An ihrer Einmündung in die Lange Straße kommt der Verkehr aus der Hinterstraße-Nord (Umfahrung der Fußgängerzone) hinzu, und alles wälzt sich auf die behindernde Aufpflasterung der Langen Straße. Werktags in den Geschäftszeiten ist der Verkehr an der Ecke Hinterstraße/Bahnhofstraße unerträglich.





Im Südteil der Hinterstraße wurde in den 1980er Jahren ein Fachwerkhausensemble restauriert, doch nur das mittlere der drei Häuser ist ein restauriertes Originalgebäude, die beiden anderen wurden neu aufgebaut, was ihre etwas kulissenartige Wirkung erklärt.





Das Fachwerkhausensemble in die Gegenrichtung (Blickrichtung Norden) gesehen.





Der in den 1980er Jahren anstelle eines alten Burgmannshofes (zuletzt "Blumen König") neu errichtete Burgmannshof.





Der an der Hinterstraße liegende Hinterhof der evangelischen St.-Nicolai-Kirche (frühes 19. Jahrh.). Links im Bild die ehemalige Schule (heute Gemeindehaus).





Sonntag, 6. Juli 2014

Pommernstraße

Die Pommernstraße in Richtung Osten (Richtung Heldenhain) gesehen. Rechts im Bild die hohen Bäume des ehemaligen Judenfriedhofs (heute Gedenkstätte)





Drei Einfamilienhäuser aus der Nachkriegszeit, die später modern überbaut wurden.





Eines von zwei Häusern im "Heimatschutzstil" der Nachkriegszeit, deren ursprünglicher Baustil noch sehr gut erhalten ist. Das Haus verbirgt sich hinter einem prachtvollen, naturnahen Garten. Der von der Pommernstraße abzweigende Stichweg (Privatweg Pommernstraße 5a,b,c) rechts unten im Bild, führt unmittelbar entlang des Judenfriedhof und hieß bis weit in die 1950er Jahre "Am Tannenbergplatz". Die Abzweigung davon am Hausgiebel ist Privatgrundstück.





Das oben erwähnte Privatgrundstück mit dem prachtvollen Garten. Kaum zu glauben, daß er aus einem Gemüsegarten zur Selbstversorgung der 50er Jahre hervorgegangen ist.



Die Pommernstraße wurde erst kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Ende der 1940er Jahre als Verbindungsweg von der Ovelgönne (damals B 69) in Verlängerung der Straße "Am Heldenhain" nach Westen zu den Lagerschuppen des Tiefbauunternehmens und Betonwerks Niemeier zunächst als unbefestigter Weg angelegt. Wichtigstes historisches Objekt ist dort der ehemalige Judenfriedhof, der schon auf der Karte von 1773 verzeichnet ist. Vor dem Bau der Pommernstraße war er über einen Weg zu erreichen, der ungefähr der heutigen Ostpreußenstraße und einem Teil der Schlesierstraße entsprach. In der NS-Zeit wurde der Judenfriedhof auf Veranlassung Diepholzer Nationalsozialisten geschändet, die Grabsteine zertrümmert und zum Straßenbau verwendet. Es ist unglaublich: 1953 wurde der Judenfriedhof und sein Umfeld dann "Tannenbergplatz" genannt (Quelle: Gerke, Diepholz - Eine Kreisstadt im Wandel der Zeiten). In der "Schlacht bei Tannenberg" (Ostpreußen) hatte während des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914 die deutsche Armee unter Hindenburg und Ludendorff die Russen besiegt. Die Hindenburg-Verehrung in Deutschland in der Folge der gewonnenen Schlacht wurde später Teil einer historischen Entwicklung, die letztlich in den Holocaust führte. Wenige Jahre später, nachdem im Lauf der 50er Jahre die Gedenkstätte Judenfriedhof gestaltet worden war, wurde der Name "Tannenbergplatz" zurückgenommen. Der schmale Weg "Am Tannenbergplatz", der als Privatweg von der Pommernstraße abzweigt heißt seit 1963 ebenfalls "Pommernstraße". 

Am Ende des Zweiten Weltkriegs war vor allem wegen dem Zuzug der Flüchtlinge und Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten der Bedarf an Wohnungen und Baugrundstücken sehr groß. So wurde schnell umfangreiches und preiswertes Bauland zur Verfügung gestellt. Im Bereich der Pommernstraße war es vor allem die evangelische Kirche, die Bauland in Erbpacht zur Verfügung stellte. Gebaut wurden Siedlungshäuser mit recht großen Gemüsegärten zur Selbstversorgung im sogenannten Heimatschutzstil nach dem Baumuster der Kleinsiedlungen der NS-Zeit, noch in den 50er Jahren ohne befestigte Straßen und ohne Kanalisation. Diese folgten in der Pommernstraße erst Anfang der 1960er Jahre. Mittlerweile sind die Grundstücke und Häuser alle an die Bewohner verkauft, die Gebäude modernisiert und zum größten Teil so weit verändert, daß ihr ursprünglicher Baustil nur noch schwer zu erkennen ist.  

In den 1980er oder 90er Jahren wurde wegen des stark zunehmenden Verkehrs in Folge des Baus des Schulzentrums an der Schlesierstraße die Pommernstraße zur Sackgasse gemacht, indem die Verbindung zur Ovelgönne geschlossen wurde. Dieses bedeutete eine erhebliche Entlastung der Bewohner. Anfang des 21. Jahrhunderts verschwand auch das Betonwerk Niemeier. Es wurde dem Erdboden gleichgemacht und an seiner Stelle ein großer Edeka-Supermarkt erbaut. 

Im Jahre 1994 wurden bei Straßenbauarbeiten an der Lüderstraße Bruckstücke der von den den Nazis zertrümmerten jüdischen Grabsteine gefunden. Unter Verwendung dieser Bruchstücke entstand 1997 das neue Mahnmal. Heute (2014) wirkt die Gedenkstätte auf dem ehemaligen Judenfriedhof vernachlässigt und ungepflegt. Außer regelmäßigem Rasenmähen wird offenbar nichts mehr gemacht. Das neue Mahnmal konnte ich nicht komplett fotografieren weil dort immer noch das vertrocknete Grüngesteck vom vergangenen November lag. Die Plexiglas-Schrifttafel am Tor ist kaum noch lesbar. Das Unkraut in den Fugen des Weges und des vorbeiführenden Bürgersteiges wurde nicht mehr beseitigt.  




Das Tor zur Gedenkstätte auf dem ehemaligen Judenfriedhof





Hinweistafel am Tor zur Gedenkstätte





Das neue Denkmal von 1997





Der alte Gedenkstein aus den 1950er Jahren





Sonntag, 8. Juni 2014

Am Heldenhain

Straße "Am Heldenhain" in West-Ost-Richtung gesehen. Im Vordergrund die Kreuzung mit  Philosophenweg und Kohlhöfen





Das schmiedeeiserne Tor zum Friedhof





Der Heldenhain



"Am Heldenhain" heißt die Straße, welche die Ovelgönne am Philosophenweg mit der Straße "Auf dem Esch" verbindet. Auf der topografischen Karte von 1897 ist diese Straße noch nicht vorhanden. Der Zugang zum Friedhof war damals am Philosophenweg. Vermutlich entstand die Straße "Am Heldenhain" erst mit dem Bau des Heldenhain (Hain = Park) in den 1920er Jahren. Nach der Aufhebung des Kohlhöfen als Bundesstraße in den 1960er Jahren wurde "Am Heldenhain" als Teil der B 69 eine Fernverkehrsstraße, seit der Fertigstellung der Ortsumgehung wieder eine einfache Stadtstraße.

In den 1920er Jahren, während der Zeit der Weimarer Republik, wurde das große Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges erbaut und im dafür gestalteten Heldenhain aufgestellt. Noch in den 1950er Jahren bestand er aus einer Rasenfläche mit pyramidenförmig geschnittenen Buchsbäumen oder Eiben, sowie einer altarartigen Erhöhung mit dem Denkmal und einer Freitreppe. In den 1960er oder frühen 1970er Jahren wurde der Heldenhain umgestaltet. Die pyramidenförmigen Bäumchen verschwanden ebenso wie die Freitreppe. Die Rasenfläche wurde mit einem Gittermuster aus Klinkern versehen und die Anlage mit Bäumen bepflanzt.  

Das erste Bild ganz oben zeigt die Straße "Am Heldenhain". Links befindet sich der seit 1599 benutzte Friedhof. Das schmiedeeiserne Tor zum Friedhof (zweites Bild von oben) gestaltete im Jahre 1905 der Schlossermeister Fritz Diestelhorst. Es stand ürsprünglich am Philsophenweg und wurde später zum neuen Zugang zum Friedhof an der Straße "Am Heldenhain" umgesetzt. Auf dem dritten Bild sieht man einen Überblick über den Heldenhain. Im Vordergrund befindet sich das extrem schlichte Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges, des katastrophalen und wahnsinnigen Eroberungs- und Vernichtungskrieges Nazi-Deutschlands. Die ersten drei Bilder unterhalb dieses Textblocks zeigen das Denkmal aus dem Jahre 1922 für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. An dem Heldenkult, den das Denkmal verkörpert, kann man erkennen, daß sich in dieser Hinsicht in der Weimarer Republik gegenüber dem Kaiserreich offenbar nicht viel geändert hatte. Der Erste Weltkrieg ergab sich aus dem Nationalismus, der Konkurrenz der europäischen Großmächte um Vorherrschaft und Rohstoffquellen und den Bündnissystemen dieser imperialen Mächte. Der Krieg wurde zum ersten "industriellen" Krieg, in dem ungeheure Massen an Material aus Serienproduktion und gleiche Massen an "Menschenmaterial" ununterbrochen an die erstarrten Fronten gingen und der Kriegsindustrie entsprechende Profite bescherte. Auf dem vierten bis sechsten Bild unterhalb dieses Textblocks ist das Denkmal für die Gefallenen des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 zu sehen. Er war ein völlig sinnloser Krieg, den niemand wollte, außer Bismarck, der sich davon die deutsche Einigung unter preußischer Vorherrschaft versprach und diese damit erreichte. Die Demütigung Frankreichs trug zu dem darauf folgenden Weltkrieg und seiner Folgen bei. Das Denkmal stand ursprünglich bis in die 1950er Jahre an der Bahnhofstraße. An der Spitze trug es eine Weltkugel mit einem Adler. Irgend jemand hat dann veranlaßt, diese abzuschlagen, was wohl als Denkmalschändung anzusehen ist, denn Denkmäler sind Zeugnisse der Vorstellungen und des Denkens ihrer Zeit, damit Dokumente und ein Kulturerbe, egal ob ein positives oder negatives.
 





Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges





Detail des Denkmals





Weiteres Detail





Denkmal für die Gefallenen von 1870/71




Detail des Denkmals





Weiteres Detail des Denkmals