Sonntag, 1. Juli 2012

Kohlhöfen


Der Kohlhöfen aus Richtung  Bremer Eck gesehen. Die Altstadtsanierung ist vorbildlich. 



Der Altstadtbereich des Kohlhöfen in Gegenrichtung gesehen



Derselbe Bereich näher am Bremer Eck



Der Kohlhöfen gehört als ehemaliger Fernverkehrsweg in die Richtungen Oldenburg und Bremen zu den ältesten Straßen von Diepholz. Er beginnt am Bremer Eck und endet am Friedhof heute als Einmündung in die Ovelgönne. Ursprünglich führte die Fernstraße dort geradeaus weiter über den heutigen Philosophenweg und teilte sich hinter dem Friedhof in einen Weg in Richtung Bremen über St.Hülfe (heute Kapellenweg) und einen in Richtung Vechta/Oldenburg über Falkenhardt. Im Jahre 1812 wurde unter französischer Besatzung die Straße "Auf dem Esch" als neuer Fernverkehrsweg nach Bremen vom Bremer Eck ausgehend gebaut. Damit entfiel für den Kohlhöfen die Funktion als Fernweg nach Bremen. Für den Philosophenweg entfiel im Jahre 1872 mit dem Ausbau der Ovelgönne (der späteren B 69 vom Kohlhöfen Ecke Heldenhain bis Falkenhardt) die Funktion als Fernverkehrsweg Richtung Oldenburg. Der Kohlhöfen bieb noch lange Zeit Ausfallstraße in Richtung Vechta-Oldenburg über die Ovelgönne, zuletzt als B 69. Auf der schmalen Altstadtstraße mußten sich noch in den 1950er Jahren Lkw begegnen und einander ausweichen, was mehr und mehr zum Problem wurde. Erst mit dem Ausbau der Straße "Auf dem Esch" im Zuge des Durchstichs der B 214 am Bremer Eck und dem Ausbau der Straße "Am Heldenhain" als B 69, verlor der Kohlhöfen seine Funktion als Ausfallstraße und konnte als reine Stadtstraße Anfang der 1970er Jahre verkehrsberuhigt werden. Es folgte dort eine umfangreiche und vorbildliche Altstadtsanierung, die ich unter "Willenberg" als Vorbild für eine ähnliche Sanierung des mittleren Willenberg (Bereich ehemalige Jugendherberge) vorgeschlagen habe.



Fast wie vor 100 Jahren: Hinterhöfe des Kohlhöfen, Westseite nahe dem Bremer Eck



Der Philosophenweg war vor 1812 als Fortsetzung des Kohlhöfen der Fernverkehrsweg sowohl in Richtung Bremen, als auch in  Richtung Oldenburg, bis 1872 nur noch in Richtung Oldenburg. In meiner Jugend war der Weg noch mit dem uraltem Kopfsteinpflaster aus jener Zeit befestigt. Früher war der Weg eine Eichenalle, später eine Pappelallee.  Die Kastanienbäume wurden in jüngerer Zeit zusammen mit der Asphaltierung des Weges gepflanzt.


Es wird vermutet, daß der Kohlhöfen bereits in frühgeschichtlicher Zeit zur germanischen Siedlung am Eschfeld gehörte. Sowohl dadurch, als auch durch seine Funktion als Fernverkehrsweg wurde er zu einem Teil der Altstadt, obwohl er außerhalb der alten Stadtbefestigung lag. Der Name "Kohlhöfen" taucht aber erst im 18. Jahrhundert auf. Der altstädtische Bereich des Kohlhöfen mit enger und historischer Bebauung reicht vom Bremer Eck bis zur Einmündung der Straße "Am Scheurenkamp". Der weitere, nördliche Teil des Kohlhöfen war noch Ende des 19. Jahrhunderts nahezu unbebaut. Die meisten Häuser entstanden dort erst nach dem Zweiten Weltkrieg. An der Einmündung der Straße "Am Scheurenkamp" wurde Anfang des 20. Jahrhunderts eine kleine Möbelfabrik erbaut. Sie bestand bis in die 1950er Jahre und wurde dann in eine Textilfabrik umgewandelt, die in den 1980er Jahren konkurs machte. Heute befinden sich in den Resten der ehmaligen Fabrik das Weiterbildungszentrum des "Bildungswerk Niedersächsischer Volkshochschulen GmbH" (BNVHS Sulingen), sowie eine evangelikale Sekte.



Reste der ehemaligen Möbelfabrik (später Textilfabrik) am Kohlhöfen. Heute befinden sich in den Resten das BNVHS-Sulingen und eine evangelikale Sekte.




Der Nordteil des Kohlhöfen wurde erst im 20. Jahrhundert bebaut und wirkt heute - abgesehen von den auf der linken Straßenseite erhaltenen imposanten Alleebäumen - wenig attraktiv, wenn auch nicht sanierungsbedürftig. Im Hintergrund befindet sich die Kreuzung Ovelgönne/Am Heldenhain/Philosophenweg.



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