Freitag, 15. Juni 2012

Lange Strasse


Bilck von der Langen Straße Nord in Richtung Fußgängerzone, dem ältesten Kern der Stadt Diepholz. Das Rathaus (Bildmitte) entstand 1905 im Stil des Historismus mit Jugendstileinflüssen. Zwischen dem Rathaus und dem kleinen Laden "Arko" (zweites Haus von links) befand sich im Mittelalter der Stadtgraben.




Nur in der kurzen Fußgängerzone, dem mittelalterlichen Stadtkern, scheinen die Geschäfte bislang ohne Leerstand zu laufen. Jedoch wurden hier Ende der 1970er Jahre rigoros fast alle historischen Gebäude abgerissen. Obwohl Diepholz im Burgmannbezirk und an der Lohnstraße relativ viele Fachwerkhäuser hat, hätten gerade in dem historischen Kernbereich der Stadt mehr restaurierte historische Gebäude die Attraktivität auch für Besucher und Touristen erhöhen, sowie ein Vorteil gegenüber den Nachbarstädten sein können.  



Blick in die Lange Straße Nord aus Richtung Bremer Eck. Die hier stehenden, sehr städtisch wirkenden Geschäftshäuser entstanden teils in der Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg und teils in den 1970er und 80er Jahren. Heute gibt es hier die größten Probleme mit Leerstand.




Die Lange Straße entstand im 11. Jahrhundert als Verbindungsweg zwischen der Burg und dem Eschfeld. Diese Straße ist der älteste Siedlungskern, aus dem die Stadt Diepholz entstanden ist. Die Lange Straße wurde zum Zentrum und Handelsplatz von Diepholz. Dort wurde auch das Rathaus errichtet. Dieser mittelalterliche Kernbereich war von einem - heute nicht mehr vorhandenem - Stadtgraben umschlossen. Der Mittel- und Nordteil der Langen Straße war gleichzeitig der Fernverkehrsweg zwischen Osnabrück und Bremen. Er führte über den Willenberg, den Pohl und die Steinstraße. Von dort über die Lange Straße und den Kohlhöfen. Nach dem Bau des Postdamm südlich des Schlosses im Jahre 1798 führte der Fernweg dann nicht mehr über den Pohl, sondern über die gesamte Lange Straße, zuletzt als B 51. Der West-Ost-Verkehr der B 214, führte bis zum Durchstich der "Mollerstraße" (am Bremer Eck), der in den 1960er Jahren erfolgte, ebenfalls über die Steinstraße und den Nordteil der Langen Straße. Die Fertigstellung des ersten Abschnitts der Ortsumgehung der B 51 ermöglichte in den 1970er Jahren schließlich eine Verkehrsberuhigung der Langen Straße und die Umwandlung des Teils zwischen dem alten Rathaus und der Kreuzung mit der Bahnhofstraße/Steinstraße in eine Fußgängerzone, die in den 1980er Jahren realisiert wurde.



Die ehemalige Bäckerei Wiechers (heute Eis-Café) ist eines der beiden letzten erhaltenen alten Fachwerkhäuser im Bereich der Fußgängerzone (das zweite ist das ehemalige Berneburgsche Haus, heute Stadtcafé). 




Dieses einzelne historische Fachwerkhaus befindet sich an der Langen Straße Nord




Bis weit in die 1980er Jahre war die Lange Straße noch eine echte City und Altstadt mit viel Leben, in der sich die Geschäfte in Diepholz konzentrierten, vom Fleischer über Feinkost, Elektroartikel, Radio und TV, Schallplatten, Geschirr und Textilien bis zu Farben und Tapeten, daneben Kneipen, Cafés, Friseure, Bäcker. Doch mit dem Entstehen der Supermärkte, der großen Fachmärkte, der größer werdenden Mobilität der Bürger (Einkauf in Vechta, Lohne, Osnabrück und Bremen) und nach der Jahrtausendwende schließlich auch durch die Einkaufsmöglichkeiten des Internet nahm die Wettbewerbsfähigkeit in der Diepholzer Innenstadt rapide ab. Ein Geschäft schloß nach dem anderen, besonders im Nordteil der Langen Straße. Der Enwicklung rechtzeitig mit einem neuen, zeitgemäßen Konzept zu begegnen, und so die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, wurde verschlafen. Es bildete sich ein Sanierungsstau, außer an der Langen Straße auch hinsichtlich der Bahnhofstraße, dem Bahnhofsgebäude, dem Müntepark, dem Willenberg, Auf dem Esch usw., alles Dinge, die nicht nur für Aufenthaltsqualität und Attraktivität für die Bürger, sondern auch auch für potentielle Pächter und Investoren von Bedeutung sind.

Ein zeitgemäßes Konzept für die Innenstadt könnte die Umgestaltung der Innenstadt im Hinblick auf eine erhöhte Aufenthaltsqualität und die Einrichtung qualitativ hochwertiger Fachgeschäfte mit einem vielfältigen und weniger standardisiertem Angebot (keine weiteren Billig-Discounter und 1-Euro-Märkte!) sein. Erreichen könnte man dies durch entsprechende bauliche Maßnahmen, durch günstige Ladenmieten, durch die jene Geschäftleute mit guten Ideen, die nicht über eigene Ladenlokale verfügen, eine Chance bekommen, sowie durch eigene Ideen und Initiativen der Haus- und Ladeneigentümer. Dieses Konzept könnte Teil eines Gesamt-Sanierungskonzeptes der Stadt sein, das auch die oben genannten anderen Bereiche (Bahnhofstraße etc.) umfaßt. Im Wettbewerb mit dem Internet und den Nachbarstädten wird das Sterben der Innenstadt nur aufgehalten werden können, wenn sie dem Kunden ein Einkauferlebnis bietet, welches alle Sinne anspricht, was das Internet nicht bieten kann. Das kann nicht allein durch hochwertige und vielfältige, geschmack- und stilvoll eingerichtete Fachgeschäfte mit guter Beratung erreicht werden (die müssen erstmal einen Anreiz bekommen, sich überhaupt in Diepholz anzusiedeln), sondern das muß durch eine einfallsreiche und geschmackvolle Gestaltung der Umgebung flankiert werden, durch ein schönes und aufgeräumtes Stadtbild, restaurierte und sanierte Gebäude,  durch attraktive Gastronomie (kein Junkfood!) mit Draußensitzplätzen mit edlem Mobiliar und Kübelpalmen (keine Plastikstühle, weg mit der blöden Terrasse vor der Körstube!), durch Grünzonen (mit großen Bäumen begrünte Plätze und Parks, Beisipiel: "Schöttlers Wald") und eventuell durch eine überdachte Ladenpassage im Bereich Lagestraße-Nord ähnlich der Gänsemarktpassage an der Steinstraße.



Anfang 2012 schloß auch dieses Diepholzer Traditionsgeschäft an der Langen Straße Nord. Daß sich sogar ein so modern und groß wirkender Laden in der Innenstadt  anscheinend nicht mehr vermieten läßt, zeigt, daß dringend etwas geschehen muß.  




So sieht es auf der gegenüber liegenden Straßenseite aus. Neben der atemberaubenden Tristesse der Ladenfront fällt auch auf, wie schmal der Bürgersteig ist, für eine moderne Einkaufsstraße eigentlich viel zu schmal. Es wäre also zu überlegen, ob man nicht auch die Lange Straße Nord für den Kfz-Verkehr sperren kann.




Zwischen den beiden auch oben abgebildeten Geschäftshäusern (Herbst und Schüttert) befindet sich der außerordenlich trostlose Durchgang zu dem derzeit von Billig-Läden dominierten Platz zwischen Lappenberg und Mollerstraße (der Platz hat noch keinen Namen). Hier könnte ich mir nach Abriß der beiden Häuser im Vordergrund den Bau einer überdachten Ladenpassage vorstellen. Das wäre aber nur eine von mehreren Möglichkeiten der Umgestaltung. 




Erste Gedanken über diese Problematik scheint sich die Kommunalpolitik erst seit etwa 2010 zu machen, also 10 bis 20 Jahre zu spät, denn der Leerstand hatte 2010 bereits ein bedenkliches Ausmaß angenommen, und die neuen Einkaufsgewohnheiten (Einkaufen in Vechta) der Diepholzer hatten sich bereits eingeschliffen. So steht in dem Werbeblatt "Blickpunkt Diepholz" der CDU-Diepholz erst im Herbst 2010 etwas, das man schon in den 1990er Jahren hätte schreiben müssen: "[...] Schließlich kann unsere Grafenstadt gleich in mehreren Bereichen noch städtebaulich weiter optimiert werden: 'Eine gesamtheitliche Konzeption für die attraktive Umgestaltung des Münteparks und der umliegenden Flächen ist für uns ebenso wichtig wie eine Aufwertung der Langen Straße zwischen Bremer Eck und dem Alten Rathaus', nennt Ratsherr Cord Finke zwei Beispiele, die auch Marcel Scharrelmann sehr am Herzen liegen, 'die Lange Straße und die angrenzenden Straßenzüge sind wie die gute Stube unserer Stadt. Dort müssen wir uns verstärkt für Attraktivität und mehr Aufenthaltsqualität einsetzen. Wenn uns dies gelingt, wirken wir Leerständen konsequent entgegen und unterstützen neue Geschäftsansiedlungen.' [...]" Geschehen ist bis heute (Juni 2012) in dieser Hinsicht nichts.

Im Juli 2011 fand eine Informationsveranstaltung der Stadt zu dem Thema statt. Die Kreiszeitung schrieb darüber Folgendes: "[...] Es ging dabei um den Bereich des Bebauungsplanes „Mollerstraße/Ledebourstraße", also zwischen der Moller-, der Langen und Ledeboustraße sowie dem Lappenberg, wie Gregor Korte für die Stadtverwaltung erläuterte. [...] Er erläuterte dafür die planerischen Ideen des chinesischen Master-Studenten Chaobiao Wu, der sich intensiv mit dem Bereich befasst hatte. Dessen Ideen sollen mithelfen, in der Entwicklung und planerischen Realisierung weiterzukommen. [...] Laut Korte seien einige der dortigen Gewerbeflächen aus den 70er Jahren und daher kaum noch zu vermieten, da es sich zum einen um zu kleine, zum anderen um Energie „fressende" Gebäude handele. Das allein mache schon einen Bedarf an Veränderungen notwendig, wenn vielleicht auch nur weniger Neues sich an bestehende Strukturen an- oder einfügen würde. Zudem seien durch eine gemeinsame Planung für den gesamten Bereich auch größere Geschäfte von 400 oder 500 Quadratmetern möglich, die ja gerade in Diepholz in der Vergangenheit stärker nachgefragt und nicht angeboten werden konnten. [...] In den Überlegungen hatte der Student eine zwei- bis dreigeschossige Bebauung vorgesehen; in den Erdgeschossen Gewerbeflächen, darüber Wohnungen in „zentralster" Lage mit hoher Lebensqualität. Die Lange Straße könnte nach Ansicht des Studenten teilweise überdacht und für den öffentlichen Verkehr im nördlichen Bereich gesperrt werden und so ein weiterer Anziehungspunkt für Kunden und Spaziergänger werden. [...]"

Und in einem Internet-Artikel des Ortsvereins Diepholz der SPD ist erst am 22. Februar 2012 zu lesen: "[...] Aus Sicht der Diepholzer SPD ist es an der Zeit ein umfassendes Investitionskonzept für die Attraktivitätssteigerung der Innenstadt zu erarbeiten. [...] Ebenso strebt die SPD eine verbesserte Anbindung der Wellestraße an die Innenstadt an. Das könnte durch eine erweiterte Außenfläche der Körstube und der Schaffung eines attraktiven Platzes im Knotenpunkt Körstube/Eiscafé/Pizzeria (als „Piazza") geschehen. Bedacht werden müsse bei der Projektarbeit auch die künftige Belebung der Ledebourstraße. Das Konzept bzw. Teile davon sollen als erste Zielsetzung bis zu Beginn der Haushaltsberatungen 2013 fertig sein, so dass es der Öffentlichkeit vorgestellt werden kann. [...]."

Die dringend notwendigen Vorschläge und Initiativen kommen sehr spät. Andere Städte wie Vechta haben sich schon vor Jahren den veränderten Bedingungen erfolgreich angepaßt.  Umgesetzt wurde in Diepholz bislang aber noch gar nichts. Wenn es denn doch mal zu einer Umsetzung kommt, sollte - so meine Empfehlung - in jedem Fall auf Niveau und Vielfalt des Warenangebotes geachtet, und verhindert werden, daß sich in der Innenstadt Billig-Discounter und Billig-Drogerien weiter breit machen, welche die Aufenthaltsqualität drücken und Diepholz zur gesichtlosen und langweiligen Billig-Stadt werden lassen. Ebenso trägt eine Ansiedlung von unpassenden Dienstleistern in der Langen Straße, wie Versicherungsbüros, Telefongesellschaften, Fahrschulen usw. nicht zur Aufenthaltsqualität bei.



Der Platz zwischen Lappenberg, Mollerstraße und Lange Straße, dessen Durchgang von der Langen Straße aus weiter oben abgebildet ist, entstand in den 1980er Jahren aus dem Hof und Gebäuderesten der ehemaligen Möbelfabrik Steffens. Heute bietet der Platz  einen trostlosen Anblick. Aber es soll bereits ein Sanierungsplan in der Schublade der Stadtplaner liegen. Fragt sich nur, ob, wann und wie er umgesetzt wird, ob es nur ein neues Billigzentrum oder ein die Aufenthaltsqualität erhöhender Platz wird.




An der Langen Straße Süd (südlich der Fußgängerzone) ist es gelungen, trotz Neubauten, die nach einem unglaublichen Kahlschlag historischer Bausubstanz errichtet wurden, einigermaßen den Charakter einer Altstadt zu erhalten. Nur das gelbe Haus links ist ein originales historisches Gebäude (eine auf das 17.Jahrhundert zurückgehende Apotheke). Das Fachwerkhaus halbrechts ist ein Neubau aus den 1980er Jahren. Die beiden verklinkerten modernen Bauten fügen sich recht gut ein.


Kommentare:

  1. Nun haben wir November 2013, und hinsichtlich der Langen Straße ist noch nichts geschehen. Statt dessen meldete das Diepholzer Kreisblatt am 01.11.2013, daß drei Fachforen jetzt erstmal weiter beraten sollen. Statt von den vorhandenen Vorschlägen, Ideen und Konzepten etwas umzusetzen, ist schon wieder eine neues Entwicklungskonzept in Auftrag gegeben worden: Das Oldenburger Planungsbüro NWP hat einen Entwurf für ein Entwicklungskonzept erarbeitet. Der Entwurf kam zu Ergebnissen, zu denen sowohl ältere Studien als auch "Laien" in der Diskussionen hier im Internet längst gekommen waren: Der Einzelhandel in der Innenstadt muß gestärkt, die Ansiedlung von Dienstleistern forciert, das Wohnen in der Innenstadt, sowie gastronomische, kulturelle und freizeitorientierte Nutzungen unterstützt werden. Im Bereich Lappenberg/Langestraße soll die Durchlässigkeit erhöht und die Geschäfte stärker zur Langen Straße orientiert werden. Die Lange Straße Nord soll laut der Studie an die Fußgängerzone angebunden werden. Für die Nordseite des Bremer Eck wird ein Gebäudekomplex als "Kopf" der Langen Straße vorgeschlagen. Desweiteren konstatieren die Planer des NWP für die Innenstadt Modernisierungsstau, hohe Nebenkosten, das Fehlen eines hochwertigen Herrenausstatters, das Fehlen von Angeboten, die zum Bummeln einladen, sowie das faktische Nichtvorhandensein eines Austausches zwischen dem Fachmärktezentrum an der Flöthestraße mit der Langen Straße. Die Planer bemängeln außerdem die Tendenz in Diepholz zu Billigangeboten und ein unattraktives gastronomisches Angebot. Das ist alles wirklich nichts Neues. Der städtische Ausschuß für Stadtentwicklung, Planung und Umwelt wird nun erstmal in drei Fachforen darüber diskutieren. Das Entwicklungskonzept und die Ergebnisse aus den Foren werden erst im Sommer 2014 in einen städtebaulichen Entwurf münden. Es wird wohl noch lange dauern, bis sich - wenn überhaupt - etwas tut.

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  2. "VIEL ANGEKÜNDIGT, NOCH NICHTS GEBAUT". Unter diesem Titel steht heute am 13.09.14 in der Printausgabe der Kreiszeitung ein ausführlicher Bericht über ein Gespräch im Rathaus mit dem Großinvestor Friedrich Schilling. Zur Erinnerung: Der millionenschwere Steuerberater, Investor und Fußball-Boß aus Rehden Friedrich Schilling hat zahlreiche Immobilien in der Innenstadt aufgekauft, darunter Gebäude am "Lappenberger Karree", an der Langen Straße Nord, der Wellestraße, sowie die alte Stadtbücherei und die denkmalgeschützte Prinzhorn-Villa ("Stadtvilla"). Schilling hat für diese Immobilien neue Projekte angekündigt. Doch geschehen ist bisher nichts. An den von Schillig aufgekauften Objekten herrscht seit Jahren Stillstand, Leerstand, Verfall, und an der Wellestraße gar eine "Kraterlandschaft". Schilling ist dadurch in der Öffentlickeit in die Kritik geraten. Wie es bisher aussieht, wird der Stillstand wohl noch über Jahre so weitergehen. Ich versuche mal, die wesentlichen Aussagen des Zeitungsartikels zusammenzufassen:

    1. An der Langen Straße Nord/Ecke Kinghorststraße ist ein Gebäude geplant, in dessen Erdgeschoß die Billig-Drogerie Rossmann einziehen soll. Ein Grundwasserproblem soll den bisher geplanten Bau des Kellers als Lagerrraum für Rossmann zu teuer gemacht haben. Es mußte umgeplant werden, so Schilling. Spätestens im Frühjahr 2015 soll mit dem Bau begonnen werden. Es wird mit 15 Monaten Bauzeit gerechnet.

    2. Auch das "Dänische Bettenlager" wurde von Schilling aufgekauft. Dort soll sich zunächst nichts ändern.

    3. Für die Umsetzung der Planung für das "Lappenberger Karree" gibt es keinerlei Termine. "Wir reden hier nicht über Monate, sondern über ein paar Jahre," so Schilling. Da kaum Ladenmieter für das Karree zu finden sind, wird der Schwerpunkt auf Wohnungen gelegt.

    4. In der "Kraterlandschaft" an der Wellestraße plant Schilling sein eigenes Steuerbarater- und Anwaltsbüro. Weitere Interessenten gibt es noch nicht.

    5. Anstelle der alten Stadtbücherei will Schilling ein Hotel mit 20 Zimmern und Gastronomie errichten. Die historische "Stadtvilla" soll als Eingangsbereich dienen und entsprechend umgebaut werden. Das Hotel soll von der Rehdener Ratsstuben GmbH betrieben werden. Bislang hat Schilling aber noch nicht einmal einen Bauantrag gestellt.

    Meine Meinung: Die Stadt hätte zumindest den Versuch unternehmen müssen, eine zu große Konzentration des Immobilien-Eigentums in der Innenstadt in nur ganz wenigen Händen (bzw. in nur einer Hand) zu verhindern. Durch diese Konzentration wird die Abhängigkeit einfach zu groß und der Handlungsspielraum und die Einfluß- und Gestaltungsmöglichkeiten der Stadt (damit der Öffentlichkeit) zu klein. Außerdem vermute ich die Gefahr, daß es keinen richtigen Wettbewerb um Ladenmieter hinsichtlich der Mieten mehr gibt und die Preise quasi diktiert werden können. Ein ganz großes Übel war der Verkauf der sich in öffentlichem Eigentum befindenden alten Stadtbücherei und der denkmalgeschützten Stadtvilla, was in meinen Augen eine Enteignung der Öffentlichkeit war. Das Ergebnis kann jeder sehen.

    Die Wurzel allen Übels scheint mir die jahrzehntelange, unglaublich erzkonservative und einseitig an privaten Wirtschaftsinteressen eines Klientels orientierte "Stadtregierung" mit immer den selben Leuten an der Macht zu sein. Das hat Diepholz nicht gut getan, wie sich jetzt herausstellt. Es sollte endlich ein durchgreifender Mehrheitenwechsel im Stadtrat stattfinden (den aber nur die Bürger selbst durch Wahlen herbeiführen können) und ein frischer Wind mit neuen Leuten wehen. Die SPD sollte endlich die Hoffnungen begraben, mit dieser erzkonservativen Mehrheit etwas Konstruktives gemeinsam machen zu können und statt dessen gemeinsam mit den Grünen eine wirklich scharfe Oppositionsarbeit machen, auch um mehr Wähler für einen Wechsel in Diepholz zu gewinnen.

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  3. Oktober 2015: Noch immer keine Umsetzungsvorschläge bezüglich der Innenstadtstudie vom Februar 2015 vorgelegt. Mit dem Bau des geplanten Hotels an der Prinzhornstraße (Abrißgrundstück ehem. Stadtbücherei) will der Investor Friedrich Schilling laut einem Zeitungsbericht vom 01. Oktober 2015 im Frühjahr 2016 beginnen. Die Stadt hat mittlerweile die Genehmigung erteilt. Ansonsten tut sich in der Innenstadt weiterhin nichts. Die SPD will das Thema Innenstadt aufgrund ihres Beschlusses vom 29. Juni 2015 erneut vor den Fachausschuß für Stadtentwicklung, Planung und Umwelt auf die Tagesordnung bringen, so die Printausgabe der Kreiszeitung vom 17. Oktober 2015. Der Beschluß von 2015 hatte gefordert, daß die Stadtverwaltung geeignete Vorschläge auf der Grundlage der Innenstadtstudie vom Februar 2015 erarbeiten und spätestens bis Ende des dritten Quartals dem Fachausschuß vorstellen sollte. Das dritte Quartal ist mittlerweile vorbei, und die SPD habe von dem Projekt nichts weiter gehört, heißt es in dem Artikel. Das Resultat der Studie von 2015 war die Erarbeitung eines städtebaulichen Entwurfs für das Lappenberger Karree und den Übergang von der Langen Straße zum Marktplatz, ein Straßenraumkonzept für die Fußgängerzone und den angrenzenden Abschnitt, sowie ein Strukturkonzept für den Grünraumbereich entlang der Lohne.

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  4. März 2016: Die Bauplätze Schilling (ehem. Stadtbücherei, Prinzhorn-Villa, Kraterlandschaft an der Wellestraße und Gerippe des entkernten Geschäftshauses "Bürobedarf Schröder" mit dem daneben liegenden Abrißgrundstück an der Langen Straße) liegen immer noch brach und verschandeln das ganze Stadtbild. Seit Herbst 2014 wird dort nicht mehr weitergearbeitet. Am 20. Februar 2016 meldete das Diepholzer Kreisblatt, daß die Billig-Drogerie Rossmann nun an ihrem bisherigen Standort am Lappenberger Rott bleiben und nicht wie ursprünglich geplant, in die zu sanierende Bauruine an der Langen Straße (ehem. "Bürobedarf Schröder") umziehen möchte. Dazu hat der Eigentümer (Schriever) der Gebäude Lange Straße 59 und 60 (Buchhandlung Schüttert und Videothek) der Firma Rossmann angeboten, diese in etwa zwei Jahren abzureißen, und an ihrer Stelle einen großen Neubau für Rossmann zu errichten. Dazu müsse wahrscheinlich die urspügliche Vereinbarung zwischen Schriever und Schilling geändert werden, nach der ein Tausch des Eigentums des Gebäudes Lange Straße 3 (ehem. "Bürobedarf Schröder") nach dessen Bezug durch Rossmann gegen das Eigentum der Gebäude Lange Straße 59/60, sowie 57/58 und Lappenberger Rott 6 (Eigentümer Schriever) vorgesehen war. Diese Tauschvereinbarung sollte Schilling in die Lage versetzen, sein Konzept für das Lappenberger Rott allein umsetzen zu können. Laut Zeitungsbericht war Friedrich Schillig zu einer öffentlichen Stellungnahme nicht bereit.

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  5. Januar 2017: An zwei Schilling-Baustellen (ehem. "Bürobedarf Schröder" und ehemalige Stadtbücherei)wird wieder gearbeitet. Laut einem Zeitungsbericht vom 28.1.2017 will sich die Stadt zur Teilnahme an einem Städtebauförderprogramm bewerben und damit die Innenstadt soweit möglich auf eigene Faust sanieren. Der Zeitungsbericht vom 28.01.2017 berichtet von einer Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Planung und Umwelt, in der es um die Bewerbung der Stadt um Aufnahme in das Städtebauförderprogramm ging. Der Planer des beauftragten Planungsbüros "BPW baumgart+partner" erstattete Bericht. Unter anderem mahnte er an, daß die Wahrnehmbarkeit des historischen Stadtbildes gestärkt werden müsse. Das Areal am Lappenberg müsse sich zur Lagen Straße Nord öffnen. Die Lange Straße Süd wirke abgehängt, besonders durch den Torbogen, der die Fußgängerzone optisch nach Süden abschließt. Die Verkehrsführung der Langen Straße Süd breche ausgerechnet dort ab, wo die historische Bausubstanz vorhanden ist. Das Schloß und seine Umgebung sei ein "spannender Ort" und müsse wieder Teil der Innenstadt werden. Die Hinterstraße müsse dringend umgestaltet, und die Wellestraße in die Innenstadt integriert werden. Die Stadt habe gute Vorraussetzungen der Einzelhandelsentwicklung , wenn es ihr gelänge, die beiden Pole Lange Straße Nord und Lange Straße Süd zu stärken. Auch die Bahnhofstraße bedarf einer Umgestaltung, da sie der erste Eindruck sei, den Besucher von der Stadt bekommen. Bis zum 1. Juni 2017 muß die Anmeldung zum Förderprogramm erfolgen, das bedeutet, daß bis zum 3. Mai ein Maßnahmenpaket stehen muß. Für den 1. Februar sind die Bürger zu einer "Bürgerwerkstatt" eingeladen, in der die Ideen und Maßnahmen diskutiert werden sollen.

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