Freitag, 15. Juni 2012

Lange Strasse


Bilck von der Langen Straße Nord in Richtung Fußgängerzone, dem ältesten Kern der Stadt Diepholz. Das Rathaus (Bildmitte) entstand 1905 im Stil des Historismus mit Jugendstileinflüssen. Zwischen dem Rathaus und dem kleinen Laden "Arko" (zweites Haus von links) befand sich im Mittelalter der Stadtgraben.




Nur in der kurzen Fußgängerzone, dem mittelalterlichen Stadtkern, scheinen die Geschäfte bislang ohne Leerstand zu laufen. Jedoch wurden hier Ende der 1970er Jahre fast alle historischen Gebäude rigoros abgerissen. 



Blick in die Lange Straße Nord aus Richtung Bremer Eck. Die hier stehenden, sehr städtisch wirkenden Geschäftshäuser entstanden teils in der Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg und teils in den 1970er und 80er Jahren. Heute gibt es hier die größten Probleme mit Leerstand.




Die Lange Straße entstand im 11. Jahrhundert als Verbindungsweg zwischen der Burg und dem Eschfeld. Diese Straße ist der älteste Siedlungskern, aus dem die Stadt Diepholz entstanden ist. Die Lange Straße wurde zum Zentrum und Handelsplatz von Diepholz. Dort wurde auch das Rathaus errichtet. Dieser mittelalterliche Kernbereich war von einem - heute nicht mehr vorhandenem - Stadtgraben umschlossen. Der Mittel- und Nordteil der Langen Straße war gleichzeitig der Fernverkehrsweg zwischen Osnabrück und Bremen. Er führte über den Willenberg, den Pohl und die Steinstraße. Von dort über die Lange Straße und den Kohlhöfen. Nach dem Bau des Postdamm südlich des Schlosses im Jahre 1798 führte der Fernweg dann nicht mehr über den Pohl, sondern über die gesamte Lange Straße, zuletzt als B 51. Der West-Ost-Verkehr der B 214, führte bis zum Durchstich der "Mollerstraße" (am Bremer Eck), der in den 1960er Jahren erfolgte, ebenfalls über die Steinstraße und den Nordteil der Langen Straße. Die Fertigstellung des ersten Abschnitts der Ortsumgehung der B 51 ermöglichte in den 1970er Jahren schließlich eine Verkehrsberuhigung der Langen Straße und die Umwandlung des Teils zwischen dem alten Rathaus und der Kreuzung mit der Bahnhofstraße/Steinstraße in eine Fußgängerzone, die in den 1980er Jahren realisiert wurde.



Die ehemalige Bäckerei Wiechers (heute Eis-Café) ist eines der beiden letzten erhaltenen alten Fachwerkhäuser im Bereich der Fußgängerzone (das zweite ist das ehemalige Berneburgsche Haus, heute Stadtcafé). 




Dieses einzelne historische Fachwerkhaus befindet sich an der Langen Straße Nord




Bis weit in die 1980er Jahre war die Lange Straße noch eine echte City und Altstadt mit viel Leben, in der sich die Geschäfte in Diepholz konzentrierten, vom Fleischer über Feinkost, Elektroartikel, Radio und TV, Schallplatten, Geschirr und Textilien bis zu Farben und Tapeten, daneben Kneipen, Cafés, Friseure, Bäcker. Doch mit dem Entstehen der Supermärkte, der großen Fachmärkte, der größer werdenden Mobilität der Bürger (Einkauf in Vechta, Lohne, Osnabrück und Bremen) und nach der Jahrtausendwende schließlich auch durch die Einkaufsmöglichkeiten des Internet nahm die Wettbewerbsfähigkeit in der Diepholzer Innenstadt rapide ab. Ein Geschäft schloß nach dem anderen, besonders im Nordteil der Langen Straße.





Anfang 2012 schloß auch dieses Diepholzer Traditionsgeschäft an der Langen Straße Nord. Daß sich sogar ein so modern und groß wirkender Laden in der Innenstadt  anscheinend nicht mehr vermieten läßt, zeigt, daß dringend etwas geschehen muß.  




So sieht es auf der gegenüber liegenden Straßenseite aus. Neben der atemberaubenden Tristesse der Ladenfront fällt auch auf, wie schmal der Bürgersteig ist, für eine moderne Einkaufsstraße eigentlich viel zu schmal. Es wäre also zu überlegen, ob man nicht auch die Lange Straße Nord für den Kfz-Verkehr sperren kann.



An der Langen Straße Süd (südlich der Fußgängerzone) ist es gelungen, trotz Neubauten, die nach einem unglaublichen Kahlschlag historischer Bausubstanz errichtet wurden, einigermaßen den Charakter einer Altstadt zu erhalten. Nur das gelbe Haus links ist ein originales historisches Gebäude (eine auf das 17.Jahrhundert zurückgehende Apotheke). Das Fachwerkhaus halbrechts ist ein Neubau aus den 1980er Jahren. Die beiden verklinkerten modernen Bauten fügen sich recht gut ein.


Dienstag, 12. Juni 2012

Müntepark


Der Müntepark aus Richtung Trakehnerhof gesehen



Der Baumbestand des Müntepark ist wertvoll und beeindruckend



Die Münte von der Parkseite gesehen


Die Feuchtwiesen mit der Lohne zwischen Münte und Steinstraße, die einst den Flecken Willenberg von der Stadt Diepholz trennten, wurden - beginnend mit dem Bau des Freibades in den 1930er Jahren - nach und nach zu einer großen Parkanlage umgewandelt, die in anderen Städten der Größenordnung von Diepholz ihres gleichen sucht. Emil Johannes Guttzeit schrieb 1967 in einer Broschüre: "[...] Im Westen - jenseits der Langen Straße - breitet sich der großzügig angelegte Müntepark aus. Seine günstige Lage an der Lohne, das alte Fachwerkhaus der Münte, sein Rosengarten, Blumenbeete, Baum- und Gebüschgruppen, Spazierwege und Bänke machen ihn zu einer schmucken und beliebten Erholungsstätte für jung und alt. Der Müntepark wird eingeschlossen vom städtischen Freibad, den Tennisplätzen, einem Kinderspielplatz und einer Minigolfanlage. Es gibt nur wenige Städte, die mitten in der Stadt solch einen prächtigen Park aufweisen. [...]".
Die Parkzone setzt sich östlich der Langen Straße mit dem Amtsgarten, der Schloßinsel und dem Schloßpark bis zum Bereich Schloßstraße/Bahnhofstraße fort.




 

Blick aus Richtung Süden in den zentralen Bereich des Münteparkes. Auf dem Rasen steht noch ein Rest vom Schützenfest, das zwei Tage zuvor hier stattgefunden hat.



Der Parkrasen im zentralen Bereich hat durch das Schützenfest Schaden genommen. Sicher wird er sich wieder erholen, aber es wird eine zeitlang dauern. Festveranstaltungen sollte man lieber auf dem Marktplatz am Esch stattfinden lassen, den man dazu allerdings optisch etwas aufwerten müßte.  



Durchblick zu den historischen Häusern der Lohnstraße


Seit 2010 gibt es in Diepholz Überlegungen, den Müntepark zu überarbeiten, besonders hinsichtlich seiner Erreichbarkeit und Integration in das Stadtbild und einer eventuellen baulichen Neuordnung der an den Park grenzenden Häuser. Außerdem wurde eine Erweiterung der Spiel- und Freizeitmöglichkeiten im Müntepark vorgeschlagen. Umgesetzt wurde bis jetzt noch nichts, außer daß die Stadt einige leerstehende alte Wohnhäuser am Willenberg aufgekauft hat, um sie eines Tages zwecks Öffnung des Münteparks zum Willenberg abzureißen.
Sicher hat fast jeder seine eigenen Vorstellungen und Ideen, wie der Park in Zukunft aussehen könnte. Mein Vorschlag ist es, den Müntepark stärker zu einem reinen Park mit hochwertigem Pflanzenbestand und einer hochwertigen Landschaftsgestaltung herzurichten, so daß er neben Erholung und Naturerlebnis für die Diepholzer auch Auswärtige zum Besichtigen anlockt. Man könnte sich in dieser Hinsicht einiges im Französchen Garten in Celle abschauen. Die Freizeitmöglichkeiten und Veranstaltungen könnte man statt dessen verstärkt (nicht alle) auf den Marktplatz auf dem Esch verlagern, für den ich unter "Esch" eine Überarbeitung als durchgehende Grünzone vom Bremer Eck bis zur Straße "Am Heldenhain" vorgeschlagen habe. Damit könnte das zur Zeit sehr trist wirkende Esch erheblich aufgewertet und belebt werden, gleichzeitig bliebe der Müntepark als Park- und Landschaftsanlage, sowie als Erholungs- und Ruheraum geschont.



Der an die Steinstraße grenzende, nördliche Teil des Müntepark ist die jüngste Erweiterung. Noch Anfang der 1970er Jahre grasten hier Rinder. Das Foto zeigt den Bereich in Richtung Steinstraße gesehen. Wichtig und ein erheblicher Gewinn für das Stadtbild wäre hier eine Öffnung des Parkes zur Steinstraße, was auch bereits vorgeschlagen wurde. Dazu müßte allerdings das "Restaurant Mediterran" (links im Bild) abgerissen werden, was natürlich nur möglich wäre, wenn der Hauseigentümer verkauft. 



Der nördliche Müntepark aus Richtung Steinstraße gesehen



Der Weg im nördlichen Müntepark führt entlang des Mühlkanals ("Hinterlohne") an den Hinterhöfen und Gärten der historischen Häuser der Lohnstraße vorbei, was recht malerisch wirkt. 



Hinter den von der Stadt gekauften leerstehenden Häusern am Willenberg befindet sich eine Wildnis, die im Rahmen der Öffnung des Münteparks zum Willenberg als entsprechendes Park-Erweiterungsgebiet genutzt werden könnte. Derzeit verbindet nur ein entlang dieser Wildnis führender schmaler Parkweg den Willenberg mit dem Müntepark. 



Dieses Foto habe ich im Französischen Garten in Celle gemacht. Hier kann man sich einige Anregungen für den Müntepark holen.

Samstag, 2. Juni 2012

Willenberg



Blick in die Straße  "Willenberg" an der Abzweigung Postdamm. Rechts an der unbeklebten Litfaßsäule befindet sich das ehemalige "Hiltlerjugendheim" (später Jugendherberge, heute "Lebenshilfe") Dabei handelt es sich um ein historisches, denkmalschutzwürdiges Gebäude. Es wurde in den 1930er Jahren im  sogenannten "Heimatschutzstil"erbaut, der zwar keine Erfindung der Nazis war, aber optimal in deren "Blut-und-Boden-Ideologie" paßte und deshalb etsprechend angewendet wurde. Das Gebäude ist insofern ein historisches Dokument. Leider wurde es in jüngerer Zeit stark verbaut, so daß sein ursprünglicher Stil nur noch schwer zu erkennen ist.     


Derselbe Bereich des Willenberg aus der Gegenrichtung gesehen. Das ehemalige "Hitlerjugendheim" befindet sich auf diesem Bild auf der linken Seite vorne. Dieses Bild belegt, daß noch heute der Bereich als Kern eines ehemaligen eigenständigen Flecken erkennbar ist. Hier könnte man nach dem Vorbild des Kohlhöfen sanieren und den Bereich damit deutlich aufwerten, so daß der Willenberg zu einer kleinen, sehenswerten "Nebenaltstadt" wird. Das Fachwerkhaus vorne rechts war früher die Schule des Flecken Willenberg.  


An der Einmündung des Willenberg in die Lüderstraße im Bereich des Pohl sind restaurierte Fachwerkhäuser vorhanden.



Zu den tristen und sanierungsbedürftigen Vierteln der Stadt Diepholz gehört auch der Willenberg und seine Umgebung. Ursprünglich war der "Flecken Willenberg" eine selbstständige, aus den Häusern entlang der gleichnamigen Straße bestehenden Ortschaft. Sie ist im Mittelalter außerhalb der Stadtbefestigung als Zubehör zum Wirtschaftshof der Burg entstanden. Im Gegensatz zur Stadt Diepholz hatten die Willenberger im Mittelalter keine Bürgerrechte. Erst im Jahre 1834 wurde Willenberg in die Stadt Diepholz (damals Flecken Diepholz) eingemeindet.

Die Straße "Willenberg" verläuft von der Maschstraße um die Innenstadt herum bis zum Pohl. Früher war sie der Fernweg von und nach Osnabrück. Einen  Zugang zur Stadt von Süden her gab es ursprünglich nicht; Diepholz und Willenberg waren dort durch das Feuchtgebiet der Lohne voneinander getrennt. Der Verkehr lief über den Pohl und durch das Stadttor an der Steinstraße (Willenberger Pforte). Erst im Jahre 1798 wurde im Zuge des Baus der "Neuen Holländischen Poststraße" mit dem "Postdamm" und der Vorwerksbrücke über die Lohne eine direkte Verbindung von Süden zur Innenstadt hergestellt, über die fortan bis zum Bau der Umgehungsstraße Ende der 1960er Jahre der Fernverkehr lief. Am Willenberg nördlich der Abzweigung des Postdamm sind noch einige alte Häuser aus dem späten 18. Jahrhundet erhalten, teils restauriert und teils mit Putz oder Klinker überbaut.

Die Geschichte des Willenberg und die vorhandene Bausubstanz bieten eine Sanierung gewissermaßen als eine kleine, sehenswerte "zweite Altstadt" etwa nach dem Vorbild des Kohlhöfen an. Hinsichtlich des Bereichs des Willenberg in der Nähe des Pohls gibt es tatsächlich schon eine Planung. Hier sollen mehrere Altbauten abgerissen, und der Willenberg zum Müntepark geöffnet werden, sicher keine schlechte Idee, aber auch schade um die alten Häuser. Man darf gespannt sein, ob und wann diese Planung umgesetzt wird. 




Diese leerstehenden und verfallenden sehr alten Wohnhäuser im nördlichen Bereich des Willenberg werden voraussichtlich abgerissen um den Willenberg zum Müntepark zu öffnen.


Der Willenberg südlich der Abzweigung des Postdamm ist hingegen unglaublich trist und kaum sanierbar. Bis auf sehr wenige unansehnlich wirkende Altbauten wurden alle Häuser neu gebaut, und diese Neubauten sind an Tristesse nicht zu überbieten. Es ist wohl einer der unansehnlichsten und häßlichsten Bereiche von ganz Diepholz. Eine Sanierung wird hier nur schwer oder gar nicht möglich sein, außer ein Haus nach dem anderen (vor allem die "Moderneren") niederzureißen und dort etwas ganz Neues, einigermaßen Ästhetisches hinzubauen.  



Der südliche Willenberg von der ehemaligen Tankstelle an der Ecke Moorstraße aus gesehen: Schlimmer geht es kaum.



Blick in den südlichen Willenberg von Süden her. Früher war dies die Bundesstraße 51. Am rechten Bildrand befindet sich eines der ganz wenigen übrig gebliebenen alten Häuser. Dort, wo das große Schild steht, befand sich früher die BMW-Autowerkstatt Spiering. Heute ist dort - wie kann's in Diepholz auch anders sein - ein großer Billig-Discounter der untersten Qualität. Hinter der Häuserzeile lag das alte Feuchtgebiet der Lohnewiesen, ein Naturreservat. Dieses wurde als neues Luxus-Eigenheim-Baugebiet erschlossen.



Diese vor wenigen Jahren geschlossene Drogerie am südlichen Willenberg war die älteste Drogerie von Diepholz. Sie bestand durchgehend und fast unverändert seit dem Jahr 1950.


Direkt an der Westseite des Willenberg befindet sich die Siedlung um die Moorstraße, die in den 1950er bis 60er Jahren für die Soldaten und Bediensteten des Fliegerhorst und ihrer Familien errichtet wurde. Die ersten Häuser wurden schon während der NS-Zeit und der unmittelbaren Nachkriegszeit noch im sogenannten "Heimatschutzstil" erbaut. Daran anschießend entstanden dann damals für sehr modern gehaltene, mehrstöckige Wohnblocks. Ab den 1980er Jahren änderte sich dort jedoch die Bevölkerungsstruktur dramatisch. Der Wohnungsbedarf der Soldaten nahm durch Eigenheimbau und Verkleinerungen der Bundeswehreinheiten drastisch ab. Das Stadtviertel wurde dadurch zu einem Wohnort für Menschen mit sehr geringem Einkommen, Einwanderer und Einwohner mit Migrationshintergrund. Die Folge waren ensprechende soziale Probleme. Um einer weiteren Ghettobildung entgegenzuwirken, hat die Stadt Diepholz nun das Sanierungsprogramm "Soziale Stadt" aufgelegt . Am 23. Mai 2012 verkündete das "Diepholzer Wochenblatt": "[...] Die Stadt Diepholz möchte einige Häuser abreißen und durch andere ersetzen oder einige der Flächen auch anders nutzen. [...] Auf rund zehn Jahre ist das Projekt angelegt [...] Die dabei anfallenden Kosten schätzt die Stadt auf drei Millionen Euro, wobei ein Drittel aus eigenen Mitteln getragen werden muß, den Rest, hofft man, aus Zuschüssen von Bund und Land finanzieren zu können. [...] 'Wir wollen das Gebiet durch neue Angebote auch für andere Zielgruppen öffnen als bislang', sagt Georg Korte. Selbstverständlich wolle man niemanden aus diesem Gebiet verdrängen [...] Den Stadtteil für heutige Bewohnergruppen aufwerten und zugleich für neue Bewohnergruppen interessant machen - so lautet eine der Zielsetzungen." [ Zit. aus Diepholzer Wochenblatt] Das klingt alles recht gut und fortschrittlich. Ob es ausreichend Zuschüsse gibt, wird wohl davon abhängen, wie sozial die künftige Landes- und Bundesregierung sein wird. Eine Bewertung des Projektes wird frühestens in ein paar Jahren möglich sein. Ich wünsche dafür jedenfalls gutes Gelingen und das Beste. 




Auf dieser alten Postkarte aus den 1960er Jahren wird stolz die damalige Modernität des Stadtviertels im Bereich der Moorstraße gezeigt. Auf dem Bildchen rechts unten ist die oben erwähnte Jugendherberge (ehem. Hitlerjugendheim) zu sehen, die damals noch in fast völlig unveräntertem Originalzustand erhalten war.



Die Moorstaße im Jahre 2012: bunt, aber keine "gute Wohngegend"







Weitere Impression aus der Moorstraße