Sonntag, 27. Mai 2012

Trakehnerhof


Der leerstehende Trakehnerhof im Jahre 2012 vom Postdamm aus gesehen



Das Lohneufer an der Rückseite des Trakehnerhof ist ein sehr romantischer Bereich. Die großen Bäume gehören zum ehemaligen Bier- und Kaffeegarten des Hotels



Der "Gasthof Stadt Osnabrück" auf einer alten Postkarte (vermutlich aus den 1920er oder 30er Jahren). Im Hintergrund die Vorwerksbrücke. Die Lohne war damals deutlich breiter als heute.



Wieder stirbt ein Stück Diepholzer Tradition: Am 25 Mai 2012 meldete das "Diepholzer Kreisblatt", daß das seit vielen Jahren leerstehende und verfallende ehemalige Hotel "Trakehnerhof" am Postdamm unmittelbar südlich des Schlosses demnächst abgerissen wird. Der Postdamm mit der "Vorwerksbrücke" über die Lohne entstand im Auftrag der kurfürstlich hannoverschen Regierung im Jahre 1798 im Zuge des Baus der "Neuen Holländischen Poststraße". Er verband den Willenberg mit der Langen Straße und machte dadurch den Umweg des Verkehrs in und aus Richtung Osnabrück über den nördlichen Willenberg und den Pohl überflüssig. Mit dem Bau des südlichen Teils der Umgehungsstraße Ende der 1960er Jahre verloren die Lange Straße und der Postdamm ihre Funktion als Fernverkehrsstraßen und wurde zu einfachen Stadtstraßen. 

Bereits im Jahre 1860, also noch zur Zeit des Königreich Hannover, entstand am Postdamm südlich der Schloßinsel der "Gasthof Stadt Osnabrück" (der spätere Trakehnerhof). Sein Bier- und Kaffeegarten grenzte unmittbar an das Ufer der Lohne, weshalb sich hier ein Bootsverleih und auch eine Flußbadeanstalt (ab 1877) etablierte. Die Flußbadeanstalt bestand bis zum Bau des Freibades in den 1930er Jahren. Der Gasthof war ein beliebtes Ausflugsziel.



Der Trakehnerhof vom Lohneufer aus gesehen




Das alte Gaststättenschild




Die Rückseite des Trakehnerhof


Später wurde der Gasthof zu einem Hotel mit Restaurant und Biergarten. 1977 kaufte Carl Stolte das Grundstück mit Gebäude und machte es mit einem neuen Pächter zum "Trakehnerhof". Doch spätestens seitdem hier kein Durchgangsverkehr mehr vorbeiführte ging der Umsatz der Gastronomie trotz der außerordentlich prädestinierten Lage am Lohneufer nahe Schloß und Münte zurück. Die Pächter wechselten mehrmals. Keiner von ihnen hatte ein erfolgreiches Konzept. Ab 1999 verpachtete Stolte das Hotel nicht wieder neu und ließ es leerstehen und verfallen. Rund 10 Jahre lang war es mehr oder weniger als Ruine ein Schandfleck der Stadt.
Nun hat sich der jetzige Eigentümer zum Verkauf entschlossen. Ein Bauträger aus Vechta hat bei der Stadt Diepholz eine Bauvoranfrage gestellt. Geplant ist der Abriß des Trakehnerhof und der Bau von zwei großen Villen (Wohnhäuser) mit jeweils 8 Wohnungen. Aufgrund der Lage werden dies vermutlich Luxuswohnungen sein. Details sind aber noch nicht bekannt, auch nicht über die Architektur der Gebäude. Die Stadt steht noch in Verhandlungen mit dem Bauträger. Sobald die Genehmigung erteilt ist, wird mit dem Abriß begonnen. Grundsätzlich ist die Sache wohl zu begrüßen. Schöner wäre aber ein Hotel-Neubau in einem passenden Klinker und/oder Fachwerkstil, der sich in das historische Stadtbild bei Münte und Schloß ein- und an die Tradition des Gasthofes bzw. Hotels "Stadt Osnabrück" anfügen würde. In Diepholz fehlt ohnehin ein attraktives Hotel. Die Lage wäre ideal. Aber auch die geplanten Wohnhäuser können durchaus eine Bereicherung sein, vorausgesetzt, die Architektur paßt in das Gesamtbild. Der Zug scheint aber bereits abgefahren zu sein, und nun kann es nur noch darum gehen, wenigstens die prachtvollen Bäume am Lohneufer zu erhalten. 



Die prachtvollen Bäume des einstigen Bier- und Kaffeegartens




Der Trakehnerhof vom Müntepark aus gesehen



Sonntag, 20. Mai 2012

Bahnhof

Der monströse Bahnhofstunnel von 2010 und die entsprechende Straßenführung keilen das repräsentative, im Jahre 1872 im Stil des Historismus erbaute Empfangsgebäude ein. Der gesamte Vorplatzbereich harmoniert nicht mit dem wertvollen historischen Gebäude.



Am rechten Bildrand befindet sich das Bahnhofshotel Steuding. Es steht sehr nahe an der ehemaligen Bahnhofstraße, die hier nur noch ein schmaler Fußweg ist, und nimmt die Sicht auf den südlichen Teil des Bahnhofskomplexes mit dem historischen ehemaligen Postgebäude. Auf der linken Seite ist dagegen durch die neue Straßenführung zum Tunnel und den neuen Parkplatz alles frei. Dadurch entsteht ein Eindruck von Asymmetrie und Ungleichgewicht, an dem nun kaum noch etwas geändert werden kann.



Nur aus dieser Perspektive von der Bahnhofstraße aus gesehen wirkt die Anlage halbwegs ansprechend, weil man von hier aus das durch den Bau des Tunnels entstandene Ungleichgewicht nicht sieht. Der Fußweg hinter dem Verkehrskreisel müßte eigentlich die gleiche Breite haben, wie die Bahnhofstraße, und die Allee müßte sich lückenlos fortsetzen. Die Blumeninsel, die sich jetzt auf dem Parkplatz vor dem Nordflügel des Gebäudes befindet (im Bild nicht zu sehen), gehört eigentlich in die Mitte vor den Haupteingang (ohne sichtversperrenden Baum und nicht erhöht, versteht sich).  



Der Bahnhofstunnel von der Ostseite aus gesehen. Ein großer Teil der ursprünglichen Gleisanlagen wurde rückgebaut.




Trotz des neuen Bahnhofstunnels mit Zugang zu den Gleisen ist immer noch die alte, häßliche Fußgängerbrücke zu den Gleisen 2 und 3 vorhanden. Dieser Anblick ist der erste Eindruck, den Besucher von Diepholz bekommen. Die Brücke ist zudem gesperrt und kann noch nicht einmal benutzt werden. Wenn Reisende aus Richtung Osnabrück statt dessen auf dem Bahnsteig die Treppe herunter in die Bahnsteig-Unterführung gehen, stehen sie plötzlich im Bahnhofstunnel an der Straße nach Diepholz-Ost, was viele Ortsunkundige sicher mächtig irritiert. 



Der Bahnhof ist für jede Stadt eine Visitenkarte, Eingangstor und wichtige Werbeplattform. Hier nehmen Gäste den ersten Kontakt mit der Stadt auf und bekommen einen ersten, vielleicht prägenden Eindruck von ihr. Deshalb sollten Bahnhof und Bahnhofsvorplatz mit besonderer Sorgfalt und Professionalität geplant und gestaltet werden. Diepholz hat das Glück, daß sein Bahnhofsgebäude ein historischer und denkmalgeschützter, repräsentativer Prachtbau ist. Leider harmoniert das Umfeld durch den im Jahre 2010 gebauten sogenannten "Bahnhofstunnel" (Verkehrsanbindung von Diepholz-Ost an die Bahnhofstraße) nicht mehr mit dem Bahnhof. Durch den Verkehrskreisel und die monströse Unterführung wirkt der Vorplatz, der nun ein Parkplatz ist, asymmetrisch und von der Bahnhofstraße abgetrennt. Die Gestaltung wird dem historischen Gebäude nicht gerecht. Für Änderungen ist es nun zu spät. Die Unterführung dient gleichzeitig als Zugang zu den Bahnsteigen, gewährleistet aber dennoch keine Barrierefreiheit, denn es wurde nur ein Fahrstuhl an den Gleisen 2 und 3 eingebaut. An Gleis 1 müssen die Reisenden in jedem Fall die Treppe hochsteigen oder den sehr langen Umweg mit Steigung die Straße entlang nehmen. Für diesen mißratenen und viel zu teuren Bahnhofstunnel gab es Alternativen, die aber von der Ratsmehrheit vom Tisch gefegt wurden. Beispielsweise hätte man südlich des Bahnhofs am Nährweg die Über- oder Unterführung errichten können. Die Anbindung von Diepholz-Ost wäre dann nicht über die Bahnhofstraße, sondern über die damals geplante Südtangente erfolgt. Als Zugänge zu den Gleisen hätte man eine neue, moderne Fußgängerbrücke auf den Bahnsteigen mit Fahrstühlen errichten können. Damit hätte man sowohl Barrierefreiheit als auch freie Planungsmöglichkeiten für einen ästhetisch ansprechenden, symmetrischen Bahnhofsvorplatz gehabt. Bereits 1982 hatte sich eine Bürgerversammlung für eine solche Unterführung am Nährweg ausgesprochen. 1986 ließ die Stadt ein unabhängiges Gutachten über die Südtangente erstellen. Das Gutachten stellte 11 Varianten (!) vor und empfahl eine Variante mit Südtangente und Unterführung für Radfahrer und Fußgänger am Nährweg. Diese lehnte der Rat im Jahre 1988 jedoch ab. Noch 1992 gab es verschiedene Planungsvarianten für einen Tunnel: Etwa nördlich des Bahnhofs oder am Nährweg nur ein Rad- und Fußgängertunnel, wobei die Kfz über die vorhandene Überführung der Hindenburgstraße (ehemals B 214) fahren. Eine weitere Variante war ein Rad- und Fußgängertunnel am Nährweg in Verbindung mit einer neuen Überführung für Kfz südlich der Südtangente. Der Rat enschied sich jedoch für die nun realisierte Variante mit Unterführung für Radfahrer, Fußgänger und Kfz direkt an der Nordseite des Bahnhof mit gleichzeitigem Zugangang zu den Gleisen. (Quelle: Masterthesis Bahnhofstraße). In meinen Augen ist dieser realisierte Bahnhofstunnel die schlechteste Lösung.


Detail am Empfangsgebäude über dem Haupteingang



Detail am Nordflügel des Empfangsgebäudes




Detail des ehemaligen, heute leerstehenden Postgebäudes neben dem Empfangsgebäude. 



Detail am ehemaligen Postgebäude


Auch im Innern des Bahnhofsgebäudes gäbe es viel zu verbessern, damit das Gebäude seiner Funktion als Eingangstor, Werbeplattform und Aufenthalts- und Begegnungsort besser gerecht wird. Allerdings befindet sich das Gebäude im Eigentum der seit 1994 privatwirtschaftlich agierenden DB AG, weshalb die Stadt keinen Einfluß darauf hat. Die Stadt (damit die Öffentlichkeit) müßte, wenn sie das Innere umgestalten wollte, das Gebäude kaufen und somit erstmal in öffentliches Eigentum zurückführen. Für eine Umgestaltung im Interesse der Reisenden, der Bürger der Stadt Diepholz und ihrer Gäste möchte ich hier ein paar Vorschläge machen. Derzeit wird die halbe Halle von einer völlig überdimensionierten Bahnhofsbuchhandlung belegt. Für die Reisenden bleibt eine Art schlauchförmiger Bereich, an dem sich auf einer Seite das durch eine Glastür abgetrennte Reisecenter befindet. Der Südflügel des Empfangsgebäudes ist für Reisende unzugänglich. Das historisch wertvolle ehemalige Postgebäude steht leer und verfällt. Im Nordflügel des Empfangsgebäudes befindet sich die - von der Halle aus unzugängliche - Bahnhofsgaststätte. Diese ist jedoch für Reisende völlig ungeeignet. Es handelt sich um eine Raucherkneipe mit scheinbar ausschließlicher Stammkundschaft; der Zutritt für Jugendliche unter 18 Jahren ist verboten, und wenn man an der Kneipe vorbeigeht und die Geräusche hört, traut man sich dort ohnehin nicht hinein. Folgendes müßte meiner Meinung nach verändert werden: Die Bahnhofsbuchhandlung sollte in den Südflügel des Gebäudes, neben oder hinter das Reisecenter (auch ein Umzug ist das ehemalige Postgebäude wäre denkbar), damit eine große Halle entsteht. Die Bahnhofskneipe sollte ein anderer Pächter übernehmen, der ein richtiges, stil- und geschmackvolles Bahnhofsbistro sowohl für Reisende als auch für Gäste aus dem Ort einrichtet. Die Trennwand zwischen Bahnhofsbistro und Halle sollte, soweit das aus baustatischen Gründen möglich ist, weitgehend durchbrochen werden, so daß das Bistro optisch Teil der Halle wird. Das unmittelbar südlich an das Empfangsgebäude anschließende historische, ehemalige Postgebäude, könnte - wie oben erwähnt - als Bahnhofsbuchhandlung oder einer anderen, zum Bahnhof passenden Nutzung (unpassende Nutzung ist zu vermeiden) dienen, etwa als Reisebüro oder als VBN-Niederlassung (der ZOB ist ja in unmittelbarer Nähe).  


Wenn man vom Vorplatz in das Empfangsgebäude kommt, bietet sich dieses Bild. Die riesige Bahnhofsbuchhandlung nimmt die halbe Halle ein. Das was noch von ihr übrig ist, befindet sich rechts davon.



Die Halle ist nur noch eine Art von schmalem Flur. Links (knapp nicht mehr im Bild) befindet sich die Bahnhofsbuchhandlung, und rechts hinter der Glastür das Reisecenter.



Sehr rauh: die Bahnhofskneipe im Nordflügel


Hinsichtlich des Eisenbahnverkehrs sollte sich die Stadt um mehr InterCity-Halte bemühen (was allerdings bereits geschehen sein soll, aber die Stadt kann bei der privatisierten DB AG nur als ein Bittsteller auftreten), denn derzeit halten nur sehr wenige InterCity-Züge, und diese ausschließlich in den frühen Morgen- und späten Abendstunden. Tagsüber müssen alle Fernreisenden mit dem Bummelzug fahren und in Bremen bzw. Osnabrück umsteigen, was nicht nur unbequem ist, sondern auch viel Zeit kostet. Desweiteren sollte sich die Stadt für die Wiederinbetriebnahme des Schienen-Personennahverkehrs in Richtung Sulingen/Nienburg einsetzen und - wie die Stadt Rahden - eventuell sogar Mitglied im "Aktionsbündnis Eisenbahnstrecke Bassum-Bünde" (AEBB) werden, das sich mit Unterstützung des Verkehrsclub Deutschland (VCD) für die Wiederinbetriebnahme der Eisenbahnstrecken des Sulinger Kreuzes engagiert. Von einer Bahnverbindung nach Sulingen/Nienburg (mit Anschluß nach Hannover) könnten die Diepholzer und ihr Bahnhof sehr profitieren.

Eine komplette ausführliche Geschichte des Diepholzer Bahnhofs und seiner Bauten finden Sie hier: http://www.eisenbahnkultur.de/html/diepholz.html


Hieran hängen nur noch ein paar Erinnerungen: Die Reste des stillgelegten Güterbahnhofs Diepholz.


Nicht nur der Bahnhof, sondern auch die Eisenbahnstrecke ist historisch. Sie wurde von 1870 bis 1874 als "Hamburg-Venloer Eisenbahn" erbaut und war ursprünglich als transnationale Strecke von Hamburg nach Paris vorgesehen. Realisiert wurde nur die Strecke von Hamburg bis Venlo. Ein Weiterbau erübrigte sich, nachdem auf holländischer und belgischer Seite entsprechende Anschlußstrecken fertiggestellt waren. Interessant ist, daß die Strecke Hamburg-Venlo aus militärstrategischen Günden über Haltern und Wesel nordwestlich am Ruhrgebiet  vorbeigeführt wurde. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg wurde dieser Streckenabschnitt für den internationalen Fernverkehr nicht mehr genutzt, dieser statt dessen ausschließlich über das Ruhrgebiet und Köln geführt. Heute ist die alte Umfahrung größtenteils stillgelegt und gar nicht mehr vorhanden. Ihre eigentliche Bedeutung hatte die Hamburg-Venloer Bahn von Anfang an als Anbindung des Ruhrgebietes an die Seehäfen Bremen und Hamburg. Näheres über die Geschichte der Strecke unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg-Venloer_Bahn 

Sonntag, 13. Mai 2012

Hindenburgstraße

Die Hindenburgstraße nimmt am Bremer Eck ihren Anfang und fürt von dort in Richtung Osten. Die Umgestaltung des Bremer Eck aus dem Jahre 2010 mit dem Verkehrskreisel und dem Rankgerüst ist hundertprozentig gelungen.



Dieses mächtige Fachwerk-Stadthaus nahe dem Bremer Eck ist nicht so alt wie es den Anschein hat, sondern stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert. Es ist also eine Form des Historismus. Das Gebäude ist für die Hindenburgstraße allerdings untypisch.



Diese Ansicht ist eher typisch für die Hindenburgstraße: niedrige Bauten hinter alten, aber niedrigen Bäumen. Alles wirkt ziemlich "flach". Das Bild zeigt die Straße in Richtung Westen gesehen, im Hintergrund das Bremer Eck.


Neben "Auf dem Esch" ist die "Hindenburgstraße" hinsichtlich eines sauberen, harmonischen und ansprechenden Stadtbildes eine weitere Problemzone. Auch hier handelt es sich um eine Ausfallstraße, nämlich die in Richtung Nienburg/Hannover. Gäste, welche aus Richtung Nienburg kommen, erhalten auf der Hindenburgstraße ihren ersten Eindruck von Diepholz. Damit hat die Straße Visitenkartencharakter. Die Bebauung ist jedoch sehr uneinheitlich. Neben einigen historischen Bauten - allerdings keinen sehr alten, was auf die Geschichte der Straße zurückzuführen ist - gibt es Gebäude von geringem Wert und auch einigen Gammel. Auch die Baumbepflanzung an der Hindenburgstraße ist uneinheitlich. Eine komplette Sanierung der Hindenburgstraße dürfte aber kaum möglich sein, allenfalls könnte man ein wenig aufräumen und die Baumbepflanzung etwas mehr vereinheitlichen, was allerdings wegen der teils recht alten Bäume nur sehr begrenzt möglich wäre.



Das Graf-Friedrich-Gymnasium an der Hindenburgstraße wurde 1925 als Erweiterung der 1885 erbauten Präparandenanstalt erbaut. Entsprechend findet sich hier stilistisch ein interessanter Übergang vom Historismus zum Anfang der 20er Jahre aufkommenden "Heimatschutzstil", der eine Gegenbewegung sowohl zum Historismus als auch zum Bauhaus war. Der schloßartige, noch neoklassizistische Portikus geht auf die Präparandenanstalt zuruck. Er wurde aber mit Elementen der 20er Jahre verändert. In den 1980er Jahren zog das Graf-Friedrich-Gymnasium in das neue Schulzentrum an der Thouarsstraße um. Das Gebäude an der Hindenburgstraße wurde in "Dr.-Wilhelm-Kinghorst-Schule" umbenannt und ist heute eine Grund- unf Förderschule.   



Der Haupteingang des 1926 erbauten Ostflügels des Graf-Friedrich -Gymnasiums ist ein nahezu exemplarisches Beispiel für den "Heimatschutzstil" der 1920er Jahre.



Wohnhäuser aus den 1920er oder 30er Jahren östlich des ehemaligen Graf-Friedrich-Gymnasiums.


Der ursprüngliche Weg von Diepholz in Richtung Nienburg verlief über den Kohlhöfen, Philosophenweg, Kapellenweg, weiter über St.Hülfe, Wetscherhardt, Wetschen und Rehden. Der Bereich zwischen Groweg und Wetschen war damals noch mooriges Gebiet. Auf der topografischen Karte von 1773 sind diese Verhältnisse deutlich zu erkennen. Die heutige Hindenburgstraße war lediglich ein aufgeschütteter unbefestigter, nur nahe des Bremer Eck bebauter Damm, der von Diepholz zu den Fladderwiesen im Bereich Groweg und über den Triftweg ins Bruch führte. Weil über diesen Damm von Diepholz die Kühe ins Fladder und ins Bruch getrieben wurden, nannte man den Weg "Kuhdamm". Wann der Ausbau des Kuhdamm als Fernverkehrsstraße mit Durchstich über Groweg nach Wetschen erfolgte, ist mir nicht bekannt, mit Sicherheit war dies aber im 19. Jahrhundert. Auf der topografischen Karte von 1899 ist er jedenfalls schon vorhanden. Im Jahre 1874 wurde der Kuhdamm in "Wilhelmstraße" umbenannt, und 1933 schließlich in "Hindenburgstraße". Die Hindenburgstraße wurde Teil der Fernverkehrsstraße von Lingen nach Celle, die spätere B 214. Seit der Fertigstellung der Ortsumgehung von Diepholz im Jahre 2008 ist sie nur noch eine Stadtstraße mit Funktion als Ausfallstraße.



Das zweifellos wertvollste historische Gebäude an der Hindenburgstraße ist das sogenannte "Niedersachsenhaus", eine nahezu stilreine Jugendstilvilla, die 1906 ein reicher Diepholzer Kaufmann erbauen ließ. Ab 1924 diente sie als Dienstsitz des Landrates, dann des Oberkreisdirektors, dann wieder des Landrates. Heute befinden sich nur noch die Repräsentations- und Konferenzräume des Landrates, sowie die Feuerwehr-Leitzentrale in dem Gebäude. Ich nenne es gerne "Landratsamt" obwohl diese Bezeichnung nicht ganz zutrifft.  



Das Kreiskrankenhaus an der Hindenburgstraße wurde 1927/29, der Seitenflügel 1936  erbaut. Stilistisch kann es auch dem "Heimatschutzstil" zugeordnet werden. Der ursprüngliche Stil ist aber wegen der Modernisierungen nur noch schwer zu erkennen. Von der Hindenburgstraße aus ist das Gebäude wegen einer hohen Hecke kaum zu sehen. Das Kreiskrankenhaus ist heute privatisiert und gehört zum St--Ansgar-Klinikverbund.



Die Lokomotivenfabrik SCHÖMA an der Hindenburgstraße wurde 1930 als Abspaltung von der mittlerweile pleite gegangenen DIEMA gegründet.


Dringend geboten wäre eine Umbenennung der Hindenburgstraße, denn die Benennung einer Straße nach Paul von Hindenburg entpricht nicht dem Geschichtsverständnis eines modernen demokratischen Staates. 1932 ernannte Hindenburg Franz von Papen als Vertreter der stärksten Fraktion (nicht der Mehrheit) zum Reichskanzler. Papen verhandelte mit Hitler über die Bildung eines gemeinsamen Kabinetts. Dem Kabinett Papen gehörten fast ausschließlich Adelige und ehemalige Offiziere an. Am 30.01.1933 setzte Hindenburg per "Notverordnung" ohne Wahlen das gemeinsame Kabinett Hitler/Papen mit Hitler als Reichskanzler ein. Als Reaktion auf den Reichstagsbrand vom 27.02.1933 setzte Hindenburg mit seiner berüchtigten "Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat" elementare Grundrechte außer Kraft. Auf dieser Grundlage überzog Hitler das Land mit Terror und ließ die ersten Konzentrationslager zur Inhaftierung politischer Gegner errichten. Durch die Ausschaltung der Opposition und der Pressefreiheit aufgrund Hindenburgs "Notverordnung" gelang es Hitler schließlich, die Reichstagswahlen von 1933 zu gewinnen. Hindenburg war somit der "Steigbügelhalter Hitlers". Die Hindenburgstraße sollte deshalb umgehend umbenannt werden. Beispielweise wurde auch in Münster im Jahre 2012 der Hindenburgplatz in Schloßplatz umbenannt. In dem Entschließungsantrag von Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) heißt es: "Hindenburg steht persönlich und unmittelbar im Verhängnis historischer Entscheidungen, die zu unermesslichem Leid und Elend geführt haben. Er kann kein politisches Vorbild sein. Ihm gebührt keine öffentliche Ehrung." Eine Abstimmung im Diepholzer Stadtrat über die Umbenennung der Hindenburgstraße wäre auch deshalb aufschlußreich, weil dabei die Ratsherren aller Parteien hinsichtlich ihres Geschichtsverständnisses Farbe bekennen müßten.


Freitag, 11. Mai 2012

Bahnhofstraße

Das Bahnhofsgebäude wurde 1872 im Stil des Historismus errichtet. Es gehört heute zu den denkmalgeschützten Prachtbauten von Diepholz




Dieses ist der erste Blick, den Reisende auf die Bahnhofstraße und damit auf Diepholz haben, wenn sie aus dem Zug ausgestiegen sind und das Empfangsgebäude verlassen. Sofort fällt die Trennung von Vorplatz und Bahnhofstraße auf, die durch die Umgestaltung des Vorplatzes im Jahre 2011 verursacht wurde. Symmetrie, Ordnung und Einheitlichkeit haben verloren. Der derzeitige Zustand der Bahnhofstraße - die Visitenkarte der Stadt - wirkt verbesserungsbedürftig. Das Foto zeigt nur die Bahnhofstraße, nicht im Bild ist der halbrechts liegende, dilletantisch gemacht und unharmonisch wirkende neue Bahnhofsvorplatz mit dem Parkplatz.   


Anfang 2012 hat die Universität Osnabrück (Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur, Studiengang Landschaftsbau und Freiraumplanung) eine Master-Thesis mit einem neuen Planungskonzept für die Bahnhofstraße in Diepholz vorgelegt. Gleich im Vorwort wird darauf hingewiesen, daß die Bahnhofstraße als Verbindungsweg zwischen Bahnhof und Innenstadt die Funktion eines "Tores" oder eines "Vorplatzes" der Stadt hat und ihr damit eine besondere Rolle zukommt. In der Einleitung wird unter anderem die Geschichte des Bahnhofstunnels nochmal aufgerollt. Seine Bedeutung besteht darin, daß er die Bahnhofstraße auch zu einem direkten Verbindungsweg mit Diepholz-Ost macht. Der Text kritisiert den Tunnel zwar nicht, beschreibt aber alle Alternativen, die damals zum heute realisierten Bahnhofstunnel diskutiert wurden, er war also keinesfalls so alternativlos, wie er oft dargestellt wird. Der realisierte Bahnhofstunnel war meiner Meinung nach die ästhetisch und technisch schlechteste und teuerste Lösung. Aber das ist ein eigenes Thema.

Hinsichtlich der Bahnhofstraße ist wohl der markanteste und durch die Presse bekannt gewordene Vorschlag der Masterarbeit, die Parkbuchten für einen breiteren Gehweg verschwinden zu lassen und die Baumpflanzung zu ergänzen. Am momentanen Bild der Bahnhofstraße wird die schlechte Sicht der Achse zwischen City und Bahnhof bemängelt, die zu verbessern ist. Das Bild der Bebauung in der Bahnhofstraße ist uneinheitlich; es gibt viele historische Bauten, moderne Bauten, und zahlreiche "niedrig bewertete Gebäude", darunter versteht man Gebäude mit Leerstand, häßlicher Ansicht, schlechter Qualität und/oder unpassender Funktion, die abzureißen oder zu sanieren sind. Darüber, wie die Straßenansicht der Gebäudezeilen dann aussehen soll, macht die Arbeit keinen konkreten Vorschlag, sondern schlägt nur die "Einführung einer neuen Konzeption zur Verschönerung der Bahnhofstraße" vor. Ein besonders wichtiger Vorschlag ist, die uneinheitliche ("nicht nach einer Regel" erfolgte) Baumbepflanzug der Bahnhofstraße zu verbessern. Dieses ist durch ergänzende Neupflanzungen von Bäumen und ein einheitliches Heckenpflanzungskonzept zu realisieren. Das Chaos mit den unterschiedlichen teils häßlichen Verkehrs- und Hinweisschildern soll beseitigt werden. Dazu wird ein neues Konzept einer einheitlichen Beschilderung gefordert. Die Masterarbeit umfaßt 117 Seiten. Es ist zu hoffen, daß es nicht nur bei der vollmundigen Präsentation durch die Stadt bleibt, sondern daß sie tatsächlich in die Stadtplanung aufgenommen und rasch umgesetzt wird. Die komplette Masterarbeit können Sie hier als PDF abrufen: http://stadt-diepholz.eu/austausch/Masterthesis_Bahnhofstrasse.zip




Das längste geschlossene Ensemble historischer Häuser an der Bahnhofstraße: Vorne rechts ist das im Jahre 1913 im damals aufkommenden "Heimatschutzstil" erbaute Gebäude der Kreissparkasse zu sehen. Anfang der 1960er Jahre zog dort die Standortverwaltung ein. Mit dem Nutzerwechsel wurde die  Fassade schlichter gemacht, wodurch das historische Gebäude seine Schönheit einbüßte: der Eingang mit Treppe und Windfang auf der linken Seite, und das Rankgewächs auf der rechten Seite des Hauses, sowie die Fensterläden an der oberen Etage verschwanden. Hinter dem Sparkassengebäude befindet sich das ehemalige Fotogeschäft Petersen, eines der ältesten Häuser an der Bahnhofstraße. Dahinter folgen zwei sehr städtisch wirkende, neoklassizistische Villen, die für das Gesicht der Bahnhofstraße von großer Bedeutung sind. 



Die beiden neoklassizistischen Villen müßten um jeden Preis erhalten bleiben. Sie prägen seit rund 100 Jahren das Gesicht der Bahnhofstraße.



Das historische Gebäude vorne links ist raparatur- und restaurierungsbedürftig, sollte aber nicht abgerissen werden, denn hier zeigt sich ein harmonisches und interessantes Nebeneinander von alt und modern. Die beiden Neubauten dahinter sind gelungene Beispiele für eine neue, zum Gesicht der Bahnhofstraße passende moderne Architektur, was für die meisten anderen Neubauten nicht zutrifft. Sehr negativ fallen die Parkbuchten und die viel zu großen Abstände der Alleebäume auf.



Die Bahnhofstraße wurde 1873 als schnurgerader Verbindungsweg zwischen dem gleichzeitig fertiggstellten Bahnhof und der Innenstadt angelegt. Sogleich begann eine rege Bebauung mit einer teils recht städtisch wirkenden Architektur. Die Bahnhofstraße wurde bald mit Geschäften und Dienstleistern vor allem im westlichen Bereich ein Teil der Innenstadt. Dort wurden auch um 1900 die beiden Schulen und in den 1910er Jahren die Kreissparkasse errichtet. Ende der 1970er Jahre fällte man die alten Alleebäume um die bis dahin relativ schmale Kopfsteinpflaster-Straße zu verbreitern und mit einer Asphaltdecke und Parkbuchten zu versehen. Man pflanzte damals zwar neue Alleebäume, diese allerdings in viel zu großen und unregelmäßigen Abständen. Die historische Bebauung wurde im Lauf der Zeit durch moderne, teils unpassende und unschöne Neubauten unterbrochen, so daß die Bahnhofstraße heute ein uneinheitliches Bild bietet, das es im Rahmen einer Sanierung zu verbessern gilt. Zu zwei besonderen historischen Bauten an der Bahnhofstraße  - die "Stadtvilla" und das (vermutlich) ehemalige Bahnbeamtenwohnhaus - siehe die separate Seite: http://www.otwin-skrotzki.blogspot.de/2012/05/diepholz-drei-historische-bauten.html



Die beiden historischen Schulgebäude an der Bahnhofstraße sind sehenswerte architektonische Dokumente des preußisch-deutschen Kaiserreiches. Die Lübkemannschule (Foto) wurde im Jahre 1895 in einem relativ schlichten, preußischen Historismus als erster Großbau einer Volksschule in Diepholz erbaut. Hinter dem Hauptgebäude entstand 1904 auch eine Turnhalle, die hinsichtlich ihres Baustils an eine Exerzierhalle des preußischen Militärs erinnert. Heute ist das Schulgebäude ein Jungendfreizeitzentrum, die Turnhalle eine Tanzschule.  


Detail an der Lübkemannschule: Renaissance-Elemente mit gotischen Ornamenten.



Das zweite historische Schulgebäude an der Bahnhofstraße ist die ehemalige Realschule. Sie ist in der preußischen Neogotik ausgeführt, in der man damals vielfach auch Kasernen und Behörden baute. Der Stil war eine Machtdemonstration des autoritären Obrigkeitsstaates und wirkte einschüchternd und respekteinflößend. Heute befindet sich in dem Realschulgebäude die Volkshochschule. 
  


Neogotisches Detail an der Realschule. Die Ornamente befinden sich am Giebel über dem ehemaligen Musikraum der Schule.


Warum ist Denkmalschutz und die Erhaltung historischer Bausubstanz so wichtig? Historische Bauten informieren uns nicht nur über die Vergangenheit und das Leben unserer Vorfahren und machen dieses sinnlich erfahrbar, sondern sie sind auch ein Kulturerbe. Für diese Erbe des von uns vorangegangenen Generationen Geschaffenen tragen wir Verantwortung auch für kommende Generationen. Wenn wir die alten Gemäuer erhalten, restaurieren und heute neu und zeitgemäß nutzen, werden wir darin unserer Wurzeln und der Entwicklung bewußt, die zu dem geführt hat, was wir heute sind und haben. Das vermittelt sowohl ein Gefühl von Heimat und Geborgenheit, als auch für den Strom der Zeit und die Entwicklung der menschlichen Kultur. Es ist ein wichtiges Stück Lebensqualität.

Sonntag, 6. Mai 2012

Auf dem Esch

"Auf dem Esch" nördlich der Einmündung des Heldenhain in Richtung Norden gesehen. Die großen Platanen sind mittlerweile so prachtvoll wie die einst gefällten Alleebäume aus der Kaiserzeit. An diesem Teil des Esch befindet sich ein gemischtes Gewerbe- und Wohngebiet. Hier gibt es eigentlich nichts zu verbessern. 

  
"Auf dem Esch" von der Innenstadt in Richtung Norden gesehen. Vorne rechts eine der Ruinen, dahinter "Friseur Koopmann", daran anschließend die zweite Ruine (das gelbe Haus). Auf der linken Straßenseite sieht man den im Jahre 2012 durch Verschmälerung der Straße geschaffenen Grünstreifen mit neuen Alleebäumen.

Seit Jahrzehnten stehen in Diepholz am Esch zwei leerstehende und verfallende Häuser. Offenbar gelingt es der Stadt nicht, oder sie ist nicht gewillt, die Eigentümer zum Abriß zu motivieren. Die Angelegenheit ist deshalb  besonders brisant, weil die Ruinen an einer Hauptausfallstraße stehen, über die zahlreiche Gäste nach Diepholz kommen. Außerdem besteht bei solchen Ruinen immer Brand- und Einsturzgefahr. Die Ruinen verschandeln das Stadtbild. Es wird dringend Zeit, daß dort etwas geschieht. Allerdings sollte bei einem Abriß darauf geachtet werden, daß keine häßlichen Baulücken für Jahrzehnte zurückbleiben, sondern daß der Abriß in einen umgehend zu realisierenden Sanierungsplan eingebunden wird. Die Diskussion um die Ruinen auf Facebook haben mich dazu bewogen, hier mal eine kleine Beschreibung der Straße "Auf dem Esch" zu geben.



Eines der ganz wenigen erhaltenen historischen Häuser am Esch. Es wurde perfekt restauriert und ist ein Vorbild. Es geht also; es muß nicht immer alles Alte, das vermeintlich "nicht denkmalschutzwürdig" ist, abgerissen werden. Vermutlich stammt das Gebäude aus dem ausgehenden 19.Jahrhundert. Die Hecke im Vordergund grenzt die Straße "Auf dem Esch" vom Marktplatz ab - in menen Augen überflüssig.


Das niederdeutsche Wort "Esch" bzw. das ostfriesische "Esk" bedeutet etwa "Saat, Feldflur". Die Esche waren ursprünglich die gemeinsamen Ackerfluren germanischer Siedlungen. Am nördlich der Diepholzer Innenstadt liegenden Eschfeld soll eine germanische Ursiedlung gelegen haben, die aber nicht als Ursprung der Stadt Diepholz gilt. Dieser war eine neue Siedlung, die mit dem Bau der Burg im Bereich der heutigen Innenstadt entstand. Das alte Eschfeld verlieh Edelherr Johann III. im Jahre 1380 den Diepholzer Stadtbürgern. Von Mitte des 16. Jahrhunderts bis 1890 stand auf dem Esch eine Windmühle. Der östliche Bereich des Esch (Bereich Eschfeldstraße) wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der nordwestliche Bereich ("Am Kapellenkamp") nach dem Zweiten Weltkrieg bebaut, während der südwestliche, an den Kohlhöfen grenzende Bereich bis heute in Form des großen Marktplatz erhalten blieb. 

Die Straße "Auf dem Esch" , die mitten durch das Esch führt, wurde erst im Jahre 1812 unter französischer Besatzung als Hauptverkehrsweg in Richtung Bremen angelegt. Dieser löste den alten Weg Richtung Bremen über Kohlhöfen, Philosophenweg und Kapellenweg ab. Daher ist die Bebauung an der Straße "Auf dem Esch" relativ jung. Vielen Diepholzern noch sehr bekannt ist die im Jahre 1872 erbaute, legendäre "Kaiserhalle", eine Kneipe mit Saalbetrieb. Sie war bis zu ihrem Abriß in den 1970er Jahren einer der wichtigsten Veranstaltungsorte in Diepholz. Heute befindet sich dort das Geschäftshaus "Hammer". 


Vor 1812, als es die Straße "Auf dem Esch" noch nicht gab, war der nördlich des Friedhof vom Philosophenweg abzweigende Kapellenweg die Straße in Richtung Bremen. Der Kapellenweg existiert noch heute, ist für den Kfz-Verkehr gesperrt und führt durch ein modernes Wohngebiet. In meiner Jugendzeit war dort noch "freies Feld". Zum Glück hat man die Allee-Bäume stehen lassen.


Mit der Verkehrsberuhigung des Kohlhöfen und der Verlegung der B 69 Richtung Vechta/Oldenburg auf den Heldenhain Anfang der 1970er Jahre wurde das Teilstück der Straße "Auf dem Esch" zwischen Bremer Eck und Kreuzung "Am Heldenhain" zu einer Hauptverkehrsmagistrale ersten Ranges. Entsprechend breit wurde sie ausgebaut, die prachtvollen Alleebäume gefällt, welche vermutlich bereits in der Kaiserzeit gepflanzt worden waren. Mit der Fertigstellung der Umgehungsstraße um Diepholz für den Fernverkehr im Jahre 2008 verlor "Auf dem Esch" seine Bedeutung als Fernverkehrsmagistrale. Er ist heute eine Stadtstraße wie jede andere, wenn auch eine Ausfallstraße. Sie wurde Anfang 2012 entsprechend verschmälert und auf der Westseite mit neuen Alleebäumen versehen.

An der Westseite der Straße "Auf dem Esch" befindet sich noch heute der große Marktplatz. Er wird aber seit den 1980er Jahren nicht mehr für Wochenmärkte, sondern nur noch für die Vergnügungsmärkte (Großmarkt, Frühjahrsmarkt) und Sonderveranstaltungen (z.B. Zirkus) genutzt. Mein Vorschlag für den Marktplatz ist, ihn mehr als durchgehende Grünachse zwischen Bremer Eck und Heldenhain auszubauen, unter Einbeziehung von ehem. "Schwarzes Garten"  (am Bremer Eck), dem neuen Brachgrundstück an der abgerissenen Aral-Tankstelle am Heldenhain und dem Heldenhain. Dieser Bereich sollte - soweit wegen der Großmärkte möglich -  verstärkt parkähnlich gestaltet und dadurch als allgemeiner Freitzeitbereich nutzbar werden. Die extrem häßlich wirkende derzeitige Nutzung des Marktplatzes als sonntäglicher Lkw-Abstellplatz sollte abgeschafft werden. Für die Straße "Auf dem Esch" wäre eine Sanierung mit möglichst hochwertiger Architektur wünschenswert, eventuell mit Geschäftshäusern als Erweiterung der Innenstadt, damit der Bereich dem "Skyline-Charakter", den man vom Marktplatz aus bei der Betrachtung des Esch hat, gerecht wird.




Der an den Marktplatz nördlich angrenzende Heldenhain sollte in die Grünachse "Esch" vom Bremer Eck bis zur Straße "Am Heldenhain" integriert werden. Der Zaun zwischen Marktplatz und Heldenhain (im Hintergrund zu sehen) ist überflüssig. Noch dringlicher wäre eine sichtbegrenzende Bepflanzung hinter dem Kriegerdenkmal aus den 1920er Jahren für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, denn dort hat man zur Zeit als Hintergrund einen spießigen Privatgarten, weshalb man das Denkmal noch nicht einmal fotografieren kann (dieses Foto zeigt das ältere Denkmal für die Gefallenen von 1870/71). 



"Auf dem Esch" vom Marktplatz aus gesehen. Der Bereich wirkt wenig ansprechend, birgt aber einiges Potenzial. Interessant und wichtig ist der vorhandene Bestand an großen Bäumen. Ein modernes Gebäude in Top-Architektur anstelle der Ruine (Mitte) würde die Zeile deutlich aufwerten. Der Radweg verläuft auf der Maktplatzseite, also diesseits der Hecke. Die überflüssige Hecke sollte meiner Meinung nach verschwinden. Die asphaltierten Wege im Vordergund dienen den Großmärkten, die jährlich auf dem Marktplatz stattfinden. 


  
Dieses Foto soll den "Skyline-Charakter" des Esch zeigen. Das geht natürlich nur sehr bedingt, weil es sich nicht um eine Panorama-Aufnahme handelt. Es zeigt das Esch vom Wohnmobil-Stellplatz aus gesehen. Im Vordergund befindet sich der westlich des Matktplatzes verlaufende "Schwarze Weg" mit seinen Alleebäumen, dahinter der Marktplatz. Im Hintergrund sieht man die Häuserzeile des Esch mit den beiden Ruinen (links und rechts), dazwischen Friseur Koopmann. Ich denke, mein Vorschlag für eine hier möglichst repräsentative Bebauung ist nachvollziehbar, zumal dies nicht nur der Marktplatz, also ein zentraler Ort der Stadt, sondern auch der Anblick von Diepholz ist, den die Wohnmobil-Fahrer, also Gäste (Touristen) von Diepholz haben.