Sonntag, 1. Juli 2012

Kohlhöfen


Der Kohlhöfen aus Richtung  Bremer Eck gesehen. Die Altstadtsanierung ist vorbildlich. 



Der Altstadtbereich des Kohlhöfen in Gegenrichtung gesehen



Derselbe Bereich näher am Bremer Eck



Der Kohlhöfen gehört als ehemaliger Fernverkehrsweg in die Richtungen Oldenburg und Bremen zu den ältesten Straßen von Diepholz. Er beginnt am Bremer Eck und endet am Friedhof heute als Einmündung in die Ovelgönne. Ursprünglich führte die Fernstraße dort geradeaus weiter über den heutigen Philosophenweg und teilte sich hinter dem Friedhof in einen Weg in Richtung Bremen über St.Hülfe (heute Kapellenweg) und einen in Richtung Vechta/Oldenburg über Falkenhardt. Im Jahre 1812 wurde unter französischer Besatzung die Straße "Auf dem Esch" als neuer Fernverkehrsweg nach Bremen vom Bremer Eck ausgehend gebaut. Damit entfiel für den Kohlhöfen die Funktion als Fernweg nach Bremen. Für den Philosophenweg entfiel im Jahre 1872 mit dem Ausbau der Ovelgönne (der späteren B 69 vom Kohlhöfen Ecke Heldenhain bis Falkenhardt) die Funktion als Fernverkehrsweg Richtung Oldenburg. Der Kohlhöfen bieb noch lange Zeit Ausfallstraße in Richtung Vechta-Oldenburg über die Ovelgönne, zuletzt als B 69. Auf der schmalen Altstadtstraße mußten sich noch in den 1950er Jahren Lkw begegnen und einander ausweichen, was mehr und mehr zum Problem wurde. Erst mit dem Ausbau der Straße "Auf dem Esch" im Zuge des Durchstichs der B 214 am Bremer Eck und dem Ausbau der Straße "Am Heldenhain" als B 69, verlor der Kohlhöfen seine Funktion als Ausfallstraße und konnte als reine Stadtstraße Anfang der 1970er Jahre verkehrsberuhigt werden. Es folgte dort eine umfangreiche und vorbildliche Altstadtsanierung, die ich unter "Willenberg" als Vorbild für eine ähnliche Sanierung des mittleren Willenberg (Bereich ehemalige Jugendherberge) vorgeschlagen habe.



Fast wie vor 100 Jahren: Hinterhöfe des Kohlhöfen, Westseite nahe dem Bremer Eck



Der Philosophenweg war vor 1812 als Fortsetzung des Kohlhöfen der Fernverkehrsweg sowohl in Richtung Bremen, als auch in  Richtung Oldenburg, bis 1872 nur noch in Richtung Oldenburg. In meiner Jugend war der Weg noch mit dem uraltem Kopfsteinpflaster aus jener Zeit befestigt. Früher war der Weg eine Eichenalle, später eine Pappelallee.  Die Kastanienbäume wurden in jüngerer Zeit zusammen mit der Asphaltierung des Weges gepflanzt.


Es wird vermutet, daß der Kohlhöfen bereits in frühgeschichtlicher Zeit zur germanischen Siedlung am Eschfeld gehörte. Sowohl dadurch, als auch durch seine Funktion als Fernverkehrsweg wurde er zu einem Teil der Altstadt, obwohl er außerhalb der alten Stadtbefestigung lag. Der Name "Kohlhöfen" taucht aber erst im 18. Jahrhundert auf. Der altstädtische Bereich des Kohlhöfen mit enger und historischer Bebauung reicht vom Bremer Eck bis zur Einmündung der Straße "Am Scheurenkamp". Der weitere, nördliche Teil des Kohlhöfen war noch Ende des 19. Jahrhunderts nahezu unbebaut. Die meisten Häuser entstanden dort erst nach dem Zweiten Weltkrieg. An der Einmündung der Straße "Am Scheurenkamp" wurde Anfang des 20. Jahrhunderts eine kleine Möbelfabrik erbaut. Sie bestand bis in die 1950er Jahre und wurde dann in eine Textilfabrik umgewandelt, die in den 1980er Jahren konkurs machte. Heute befinden sich in den Resten der ehmaligen Fabrik das Weiterbildungszentrum des "Bildungswerk Niedersächsischer Volkshochschulen GmbH" (BNVHS Sulingen), sowie eine evangelikale Sekte.



Reste der ehemaligen Möbelfabrik (später Textilfabrik) am Kohlhöfen. Heute befinden sich in den Resten das BNVHS-Sulingen und eine evangelikale Sekte.




Der Nordteil des Kohlhöfen wurde erst im 20. Jahrhundert bebaut und wirkt heute - abgesehen von den auf der linken Straßenseite erhaltenen imposanten Alleebäumen - wenig attraktiv, wenn auch nicht sanierungsbedürftig. Im Hintergrund befindet sich die Kreuzung Ovelgönne/Am Heldenhain/Philosophenweg.



Freitag, 15. Juni 2012

Lange Strasse


Bilck von der Langen Straße Nord in Richtung Fußgängerzone, dem ältesten Kern der Stadt Diepholz. Das Rathaus (Bildmitte) entstand 1905 im Stil des Historismus mit Jugendstileinflüssen. Zwischen dem Rathaus und dem kleinen Laden "Arko" (zweites Haus von links) befand sich im Mittelalter der Stadtgraben.




Nur in der kurzen Fußgängerzone, dem mittelalterlichen Stadtkern, scheinen die Geschäfte bislang ohne Leerstand zu laufen. Jedoch wurden hier Ende der 1970er Jahre rigoros fast alle historischen Gebäude abgerissen. Obwohl Diepholz im Burgmannbezirk und an der Lohnstraße relativ viele Fachwerkhäuser hat, hätten gerade in dem historischen Kernbereich der Stadt mehr restaurierte historische Gebäude die Attraktivität auch für Besucher und Touristen erhöhen, sowie ein Vorteil gegenüber den Nachbarstädten sein können.  



Blick in die Lange Straße Nord aus Richtung Bremer Eck. Die hier stehenden, sehr städtisch wirkenden Geschäftshäuser entstanden teils in der Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg und teils in den 1970er und 80er Jahren. Heute gibt es hier die größten Probleme mit Leerstand.




Die Lange Straße entstand im 11. Jahrhundert als Verbindungsweg zwischen der Burg und dem Eschfeld. Diese Straße ist der älteste Siedlungskern, aus dem die Stadt Diepholz entstanden ist. Die Lange Straße wurde zum Zentrum und Handelsplatz von Diepholz. Dort wurde auch das Rathaus errichtet. Dieser mittelalterliche Kernbereich war von einem - heute nicht mehr vorhandenem - Stadtgraben umschlossen. Der Mittel- und Nordteil der Langen Straße war gleichzeitig der Fernverkehrsweg zwischen Osnabrück und Bremen. Er führte über den Willenberg, den Pohl und die Steinstraße. Von dort über die Lange Straße und den Kohlhöfen. Nach dem Bau des Postdamm südlich des Schlosses im Jahre 1798 führte der Fernweg dann nicht mehr über den Pohl, sondern über die gesamte Lange Straße, zuletzt als B 51. Der West-Ost-Verkehr der B 214, führte bis zum Durchstich der "Mollerstraße" (am Bremer Eck), der in den 1960er Jahren erfolgte, ebenfalls über die Steinstraße und den Nordteil der Langen Straße. Die Fertigstellung des ersten Abschnitts der Ortsumgehung der B 51 ermöglichte in den 1970er Jahren schließlich eine Verkehrsberuhigung der Langen Straße und die Umwandlung des Teils zwischen dem alten Rathaus und der Kreuzung mit der Bahnhofstraße/Steinstraße in eine Fußgängerzone, die in den 1980er Jahren realisiert wurde.



Die ehemalige Bäckerei Wiechers (heute Eis-Café) ist eines der beiden letzten erhaltenen alten Fachwerkhäuser im Bereich der Fußgängerzone (das zweite ist das ehemalige Berneburgsche Haus, heute Stadtcafé). 




Dieses einzelne historische Fachwerkhaus befindet sich an der Langen Straße Nord




Bis weit in die 1980er Jahre war die Lange Straße noch eine echte City und Altstadt mit viel Leben, in der sich die Geschäfte in Diepholz konzentrierten, vom Fleischer über Feinkost, Elektroartikel, Radio und TV, Schallplatten, Geschirr und Textilien bis zu Farben und Tapeten, daneben Kneipen, Cafés, Friseure, Bäcker. Doch mit dem Entstehen der Supermärkte, der großen Fachmärkte, der größer werdenden Mobilität der Bürger (Einkauf in Vechta, Lohne, Osnabrück und Bremen) und nach der Jahrtausendwende schließlich auch durch die Einkaufsmöglichkeiten des Internet nahm die Wettbewerbsfähigkeit in der Diepholzer Innenstadt rapide ab. Ein Geschäft schloß nach dem anderen, besonders im Nordteil der Langen Straße. Der Enwicklung rechtzeitig mit einem neuen, zeitgemäßen Konzept zu begegnen, und so die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, wurde verschlafen. Es bildete sich ein Sanierungsstau, außer an der Langen Straße auch hinsichtlich der Bahnhofstraße, dem Bahnhofsgebäude, dem Müntepark, dem Willenberg, Auf dem Esch usw., alles Dinge, die nicht nur für Aufenthaltsqualität und Attraktivität für die Bürger, sondern auch auch für potentielle Pächter und Investoren von Bedeutung sind.

Ein zeitgemäßes Konzept für die Innenstadt könnte die Umgestaltung der Innenstadt im Hinblick auf eine erhöhte Aufenthaltsqualität und die Einrichtung qualitativ hochwertiger Fachgeschäfte mit einem vielfältigen und weniger standardisiertem Angebot (keine weiteren Billig-Discounter und 1-Euro-Märkte!) sein. Erreichen könnte man dies durch entsprechende bauliche Maßnahmen, durch günstige Ladenmieten, durch die jene Geschäftleute mit guten Ideen, die nicht über eigene Ladenlokale verfügen, eine Chance bekommen, sowie durch eigene Ideen und Initiativen der Haus- und Ladeneigentümer. Dieses Konzept könnte Teil eines Gesamt-Sanierungskonzeptes der Stadt sein, das auch die oben genannten anderen Bereiche (Bahnhofstraße etc.) umfaßt. Im Wettbewerb mit dem Internet und den Nachbarstädten wird das Sterben der Innenstadt nur aufgehalten werden können, wenn sie dem Kunden ein Einkauferlebnis bietet, welches alle Sinne anspricht, was das Internet nicht bieten kann. Das kann nicht allein durch hochwertige und vielfältige, geschmack- und stilvoll eingerichtete Fachgeschäfte mit guter Beratung erreicht werden (die müssen erstmal einen Anreiz bekommen, sich überhaupt in Diepholz anzusiedeln), sondern das muß durch eine einfallsreiche und geschmackvolle Gestaltung der Umgebung flankiert werden, durch ein schönes und aufgeräumtes Stadtbild, restaurierte und sanierte Gebäude,  durch attraktive Gastronomie (kein Junkfood!) mit Draußensitzplätzen mit edlem Mobiliar und Kübelpalmen (keine Plastikstühle, weg mit der blöden Terrasse vor der Körstube!), durch Grünzonen (mit großen Bäumen begrünte Plätze und Parks, Beisipiel: "Schöttlers Wald") und eventuell durch eine überdachte Ladenpassage im Bereich Lagestraße-Nord ähnlich der Gänsemarktpassage an der Steinstraße.



Anfang 2012 schloß auch dieses Diepholzer Traditionsgeschäft an der Langen Straße Nord. Daß sich sogar ein so modern und groß wirkender Laden in der Innenstadt  anscheinend nicht mehr vermieten läßt, zeigt, daß dringend etwas geschehen muß.  




So sieht es auf der gegenüber liegenden Straßenseite aus. Neben der atemberaubenden Tristesse der Ladenfront fällt auch auf, wie schmal der Bürgersteig ist, für eine moderne Einkaufsstraße eigentlich viel zu schmal. Es wäre also zu überlegen, ob man nicht auch die Lange Straße Nord für den Kfz-Verkehr sperren kann.




Zwischen den beiden auch oben abgebildeten Geschäftshäusern (Herbst und Schüttert) befindet sich der außerordenlich trostlose Durchgang zu dem derzeit von Billig-Läden dominierten Platz zwischen Lappenberg und Mollerstraße (der Platz hat noch keinen Namen). Hier könnte ich mir nach Abriß der beiden Häuser im Vordergrund den Bau einer überdachten Ladenpassage vorstellen. Das wäre aber nur eine von mehreren Möglichkeiten der Umgestaltung. 




Erste Gedanken über diese Problematik scheint sich die Kommunalpolitik erst seit etwa 2010 zu machen, also 10 bis 20 Jahre zu spät, denn der Leerstand hatte 2010 bereits ein bedenkliches Ausmaß angenommen, und die neuen Einkaufsgewohnheiten (Einkaufen in Vechta) der Diepholzer hatten sich bereits eingeschliffen. So steht in dem Werbeblatt "Blickpunkt Diepholz" der CDU-Diepholz erst im Herbst 2010 etwas, das man schon in den 1990er Jahren hätte schreiben müssen: "[...] Schließlich kann unsere Grafenstadt gleich in mehreren Bereichen noch städtebaulich weiter optimiert werden: 'Eine gesamtheitliche Konzeption für die attraktive Umgestaltung des Münteparks und der umliegenden Flächen ist für uns ebenso wichtig wie eine Aufwertung der Langen Straße zwischen Bremer Eck und dem Alten Rathaus', nennt Ratsherr Cord Finke zwei Beispiele, die auch Marcel Scharrelmann sehr am Herzen liegen, 'die Lange Straße und die angrenzenden Straßenzüge sind wie die gute Stube unserer Stadt. Dort müssen wir uns verstärkt für Attraktivität und mehr Aufenthaltsqualität einsetzen. Wenn uns dies gelingt, wirken wir Leerständen konsequent entgegen und unterstützen neue Geschäftsansiedlungen.' [...]" Geschehen ist bis heute (Juni 2012) in dieser Hinsicht nichts.

Im Juli 2011 fand eine Informationsveranstaltung der Stadt zu dem Thema statt. Die Kreiszeitung schrieb darüber Folgendes: "[...] Es ging dabei um den Bereich des Bebauungsplanes „Mollerstraße/Ledebourstraße", also zwischen der Moller-, der Langen und Ledeboustraße sowie dem Lappenberg, wie Gregor Korte für die Stadtverwaltung erläuterte. [...] Er erläuterte dafür die planerischen Ideen des chinesischen Master-Studenten Chaobiao Wu, der sich intensiv mit dem Bereich befasst hatte. Dessen Ideen sollen mithelfen, in der Entwicklung und planerischen Realisierung weiterzukommen. [...] Laut Korte seien einige der dortigen Gewerbeflächen aus den 70er Jahren und daher kaum noch zu vermieten, da es sich zum einen um zu kleine, zum anderen um Energie „fressende" Gebäude handele. Das allein mache schon einen Bedarf an Veränderungen notwendig, wenn vielleicht auch nur weniger Neues sich an bestehende Strukturen an- oder einfügen würde. Zudem seien durch eine gemeinsame Planung für den gesamten Bereich auch größere Geschäfte von 400 oder 500 Quadratmetern möglich, die ja gerade in Diepholz in der Vergangenheit stärker nachgefragt und nicht angeboten werden konnten. [...] In den Überlegungen hatte der Student eine zwei- bis dreigeschossige Bebauung vorgesehen; in den Erdgeschossen Gewerbeflächen, darüber Wohnungen in „zentralster" Lage mit hoher Lebensqualität. Die Lange Straße könnte nach Ansicht des Studenten teilweise überdacht und für den öffentlichen Verkehr im nördlichen Bereich gesperrt werden und so ein weiterer Anziehungspunkt für Kunden und Spaziergänger werden. [...]"

Und in einem Internet-Artikel des Ortsvereins Diepholz der SPD ist erst am 22. Februar 2012 zu lesen: "[...] Aus Sicht der Diepholzer SPD ist es an der Zeit ein umfassendes Investitionskonzept für die Attraktivitätssteigerung der Innenstadt zu erarbeiten. [...] Ebenso strebt die SPD eine verbesserte Anbindung der Wellestraße an die Innenstadt an. Das könnte durch eine erweiterte Außenfläche der Körstube und der Schaffung eines attraktiven Platzes im Knotenpunkt Körstube/Eiscafé/Pizzeria (als „Piazza") geschehen. Bedacht werden müsse bei der Projektarbeit auch die künftige Belebung der Ledebourstraße. Das Konzept bzw. Teile davon sollen als erste Zielsetzung bis zu Beginn der Haushaltsberatungen 2013 fertig sein, so dass es der Öffentlichkeit vorgestellt werden kann. [...]."

Die dringend notwendigen Vorschläge und Initiativen kommen sehr spät. Andere Städte wie Vechta haben sich schon vor Jahren den veränderten Bedingungen erfolgreich angepaßt.  Umgesetzt wurde in Diepholz bislang aber noch gar nichts. Wenn es denn doch mal zu einer Umsetzung kommt, sollte - so meine Empfehlung - in jedem Fall auf Niveau und Vielfalt des Warenangebotes geachtet, und verhindert werden, daß sich in der Innenstadt Billig-Discounter und Billig-Drogerien weiter breit machen, welche die Aufenthaltsqualität drücken und Diepholz zur gesichtlosen und langweiligen Billig-Stadt werden lassen. Ebenso trägt eine Ansiedlung von unpassenden Dienstleistern in der Langen Straße, wie Versicherungsbüros, Telefongesellschaften, Fahrschulen usw. nicht zur Aufenthaltsqualität bei.



Der Platz zwischen Lappenberg, Mollerstraße und Lange Straße, dessen Durchgang von der Langen Straße aus weiter oben abgebildet ist, entstand in den 1980er Jahren aus dem Hof und Gebäuderesten der ehemaligen Möbelfabrik Steffens. Heute bietet der Platz  einen trostlosen Anblick. Aber es soll bereits ein Sanierungsplan in der Schublade der Stadtplaner liegen. Fragt sich nur, ob, wann und wie er umgesetzt wird, ob es nur ein neues Billigzentrum oder ein die Aufenthaltsqualität erhöhender Platz wird.




An der Langen Straße Süd (südlich der Fußgängerzone) ist es gelungen, trotz Neubauten, die nach einem unglaublichen Kahlschlag historischer Bausubstanz errichtet wurden, einigermaßen den Charakter einer Altstadt zu erhalten. Nur das gelbe Haus links ist ein originales historisches Gebäude (eine auf das 17.Jahrhundert zurückgehende Apotheke). Das Fachwerkhaus halbrechts ist ein Neubau aus den 1980er Jahren. Die beiden verklinkerten modernen Bauten fügen sich recht gut ein.


Dienstag, 12. Juni 2012

Müntepark


Der Müntepark aus Richtung Trakehnerhof gesehen



Der Baumbestand des Müntepark ist wertvoll und beeindruckend



Die Münte von der Parkseite gesehen


Die Feuchtwiesen mit der Lohne zwischen Münte und Steinstraße, die einst den Flecken Willenberg von der Stadt Diepholz trennten, wurden - beginnend mit dem Bau des Freibades in den 1930er Jahren - nach und nach zu einer großen Parkanlage umgewandelt, die in anderen Städten der Größenordnung von Diepholz ihres gleichen sucht. Emil Johannes Guttzeit schrieb 1967 in einer Broschüre: "[...] Im Westen - jenseits der Langen Straße - breitet sich der großzügig angelegte Müntepark aus. Seine günstige Lage an der Lohne, das alte Fachwerkhaus der Münte, sein Rosengarten, Blumenbeete, Baum- und Gebüschgruppen, Spazierwege und Bänke machen ihn zu einer schmucken und beliebten Erholungsstätte für jung und alt. Der Müntepark wird eingeschlossen vom städtischen Freibad, den Tennisplätzen, einem Kinderspielplatz und einer Minigolfanlage. Es gibt nur wenige Städte, die mitten in der Stadt solch einen prächtigen Park aufweisen. [...]".
Die Parkzone setzt sich östlich der Langen Straße mit dem Amtsgarten, der Schloßinsel und dem Schloßpark bis zum Bereich Schloßstraße/Bahnhofstraße fort.




 

Blick aus Richtung Süden in den zentralen Bereich des Münteparkes. Auf dem Rasen steht noch ein Rest vom Schützenfest, das zwei Tage zuvor hier stattgefunden hat.



Der Parkrasen im zentralen Bereich hat durch das Schützenfest Schaden genommen. Sicher wird er sich wieder erholen, aber es wird eine zeitlang dauern. Festveranstaltungen sollte man lieber auf dem Marktplatz am Esch stattfinden lassen, den man dazu allerdings optisch etwas aufwerten müßte.  



Durchblick zu den historischen Häusern der Lohnstraße


Seit 2010 gibt es in Diepholz Überlegungen, den Müntepark zu überarbeiten, besonders hinsichtlich seiner Erreichbarkeit und Integration in das Stadtbild und einer eventuellen baulichen Neuordnung der an den Park grenzenden Häuser. Außerdem wurde eine Erweiterung der Spiel- und Freizeitmöglichkeiten im Müntepark vorgeschlagen. Umgesetzt wurde bis jetzt noch nichts, außer daß die Stadt einige leerstehende alte Wohnhäuser am Willenberg aufgekauft hat, um sie eines Tages zwecks Öffnung des Münteparks zum Willenberg abzureißen.
Sicher hat fast jeder seine eigenen Vorstellungen und Ideen, wie der Park in Zukunft aussehen könnte. Mein Vorschlag ist es, den Müntepark stärker zu einem reinen Park mit hochwertigem Pflanzenbestand und einer hochwertigen Landschaftsgestaltung herzurichten, so daß er neben Erholung und Naturerlebnis für die Diepholzer auch Auswärtige zum Besichtigen anlockt. Man könnte sich in dieser Hinsicht einiges im Französchen Garten in Celle abschauen. Die Freizeitmöglichkeiten und Veranstaltungen könnte man statt dessen verstärkt (nicht alle) auf den Marktplatz auf dem Esch verlagern, für den ich unter "Esch" eine Überarbeitung als durchgehende Grünzone vom Bremer Eck bis zur Straße "Am Heldenhain" vorgeschlagen habe. Damit könnte das zur Zeit sehr trist wirkende Esch erheblich aufgewertet und belebt werden, gleichzeitig bliebe der Müntepark als Park- und Landschaftsanlage, sowie als Erholungs- und Ruheraum geschont.



Der an die Steinstraße grenzende, nördliche Teil des Müntepark ist die jüngste Erweiterung. Noch Anfang der 1970er Jahre grasten hier Rinder. Das Foto zeigt den Bereich in Richtung Steinstraße gesehen. Wichtig und ein erheblicher Gewinn für das Stadtbild wäre hier eine Öffnung des Parkes zur Steinstraße, was auch bereits vorgeschlagen wurde. Dazu müßte allerdings das "Restaurant Mediterran" (links im Bild) abgerissen werden, was natürlich nur möglich wäre, wenn der Hauseigentümer verkauft. 



Der nördliche Müntepark aus Richtung Steinstraße gesehen



Der Weg im nördlichen Müntepark führt entlang des Mühlkanals ("Hinterlohne") an den Hinterhöfen und Gärten der historischen Häuser der Lohnstraße vorbei, was recht malerisch wirkt. 



Hinter den von der Stadt gekauften leerstehenden Häusern am Willenberg befindet sich eine Wildnis, die im Rahmen der Öffnung des Münteparks zum Willenberg als entsprechendes Park-Erweiterungsgebiet genutzt werden könnte. Derzeit verbindet nur ein entlang dieser Wildnis führender schmaler Parkweg den Willenberg mit dem Müntepark. 



Dieses Foto habe ich im Französischen Garten in Celle gemacht. Hier kann man sich einige Anregungen für den Müntepark holen.

Samstag, 2. Juni 2012

Willenberg



Blick in die Straße  "Willenberg" an der Abzweigung Postdamm. Rechts an der unbeklebten Litfaßsäule befindet sich das ehemalige "Hiltlerjugendheim" (später Jugendherberge, heute "Lebenshilfe") Dabei handelt es sich um ein historisches, denkmalschutzwürdiges Gebäude. Es wurde in den 1930er Jahren im  sogenannten "Heimatschutzstil"erbaut, der zwar keine Erfindung der Nazis war, aber optimal in deren "Blut-und-Boden-Ideologie" paßte und deshalb etsprechend angewendet wurde. Das Gebäude ist insofern ein historisches Dokument. Leider wurde es in jüngerer Zeit stark verbaut, so daß sein ursprünglicher Stil nur noch schwer zu erkennen ist.     


Derselbe Bereich des Willenberg aus der Gegenrichtung gesehen. Das ehemalige "Hitlerjugendheim" befindet sich auf diesem Bild auf der linken Seite vorne. Dieses Bild belegt, daß noch heute der Bereich als Kern eines ehemaligen eigenständigen Flecken erkennbar ist. Hier könnte man nach dem Vorbild des Kohlhöfen sanieren und den Bereich damit deutlich aufwerten, so daß der Willenberg zu einer kleinen, sehenswerten "Nebenaltstadt" wird. Das Fachwerkhaus vorne rechts war früher die Schule des Flecken Willenberg.  


An der Einmündung des Willenberg in die Lüderstraße im Bereich des Pohl sind restaurierte Fachwerkhäuser vorhanden.



Zu den tristen und sanierungsbedürftigen Vierteln der Stadt Diepholz gehört auch der Willenberg und seine Umgebung. Ursprünglich war der "Flecken Willenberg" eine selbstständige, aus den Häusern entlang der gleichnamigen Straße bestehenden Ortschaft. Sie ist im Mittelalter außerhalb der Stadtbefestigung als Zubehör zum Wirtschaftshof der Burg entstanden. Im Gegensatz zur Stadt Diepholz hatten die Willenberger im Mittelalter keine Bürgerrechte. Erst im Jahre 1834 wurde Willenberg in die Stadt Diepholz (damals Flecken Diepholz) eingemeindet.

Die Straße "Willenberg" verläuft von der Maschstraße um die Innenstadt herum bis zum Pohl. Früher war sie der Fernweg von und nach Osnabrück. Einen  Zugang zur Stadt von Süden her gab es ursprünglich nicht; Diepholz und Willenberg waren dort durch das Feuchtgebiet der Lohne voneinander getrennt. Der Verkehr lief über den Pohl und durch das Stadttor an der Steinstraße (Willenberger Pforte). Erst im Jahre 1798 wurde im Zuge des Baus der "Neuen Holländischen Poststraße" mit dem "Postdamm" und der Vorwerksbrücke über die Lohne eine direkte Verbindung von Süden zur Innenstadt hergestellt, über die fortan bis zum Bau der Umgehungsstraße Ende der 1960er Jahre der Fernverkehr lief. Am Willenberg nördlich der Abzweigung des Postdamm sind noch einige alte Häuser aus dem späten 18. Jahrhundet erhalten, teils restauriert und teils mit Putz oder Klinker überbaut.

Die Geschichte des Willenberg und die vorhandene Bausubstanz bieten eine Sanierung gewissermaßen als eine kleine, sehenswerte "zweite Altstadt" etwa nach dem Vorbild des Kohlhöfen an. Hinsichtlich des Bereichs des Willenberg in der Nähe des Pohls gibt es tatsächlich schon eine Planung. Hier sollen mehrere Altbauten abgerissen, und der Willenberg zum Müntepark geöffnet werden, sicher keine schlechte Idee, aber auch schade um die alten Häuser. Man darf gespannt sein, ob und wann diese Planung umgesetzt wird. 




Diese leerstehenden und verfallenden sehr alten Wohnhäuser im nördlichen Bereich des Willenberg werden voraussichtlich abgerissen um den Willenberg zum Müntepark zu öffnen.


Der Willenberg südlich der Abzweigung des Postdamm ist hingegen unglaublich trist und kaum sanierbar. Bis auf sehr wenige unansehnlich wirkende Altbauten wurden alle Häuser neu gebaut, und diese Neubauten sind an Tristesse nicht zu überbieten. Es ist wohl einer der unansehnlichsten und häßlichsten Bereiche von ganz Diepholz. Eine Sanierung wird hier nur schwer oder gar nicht möglich sein, außer ein Haus nach dem anderen (vor allem die "Moderneren") niederzureißen und dort etwas ganz Neues, einigermaßen Ästhetisches hinzubauen.  



Der südliche Willenberg von der ehemaligen Tankstelle an der Ecke Moorstraße aus gesehen: Schlimmer geht es kaum.



Blick in den südlichen Willenberg von Süden her. Früher war dies die Bundesstraße 51. Am rechten Bildrand befindet sich eines der ganz wenigen übrig gebliebenen alten Häuser. Dort, wo das große Schild steht, befand sich früher die BMW-Autowerkstatt Spiering. Heute ist dort - wie kann's in Diepholz auch anders sein - ein großer Billig-Discounter der untersten Qualität. Hinter der Häuserzeile lag das alte Feuchtgebiet der Lohnewiesen, ein Naturreservat. Dieses wurde als neues Luxus-Eigenheim-Baugebiet erschlossen.



Diese vor wenigen Jahren geschlossene Drogerie am südlichen Willenberg war die älteste Drogerie von Diepholz. Sie bestand durchgehend und fast unverändert seit dem Jahr 1950.


Direkt an der Westseite des Willenberg befindet sich die Siedlung um die Moorstraße, die in den 1950er bis 60er Jahren für die Soldaten und Bediensteten des Fliegerhorst und ihrer Familien errichtet wurde. Die ersten Häuser wurden schon während der NS-Zeit und der unmittelbaren Nachkriegszeit noch im sogenannten "Heimatschutzstil" erbaut. Daran anschießend entstanden dann damals für sehr modern gehaltene, mehrstöckige Wohnblocks. Ab den 1980er Jahren änderte sich dort jedoch die Bevölkerungsstruktur dramatisch. Der Wohnungsbedarf der Soldaten nahm durch Eigenheimbau und Verkleinerungen der Bundeswehreinheiten drastisch ab. Das Stadtviertel wurde dadurch zu einem Wohnort für Menschen mit sehr geringem Einkommen, Einwanderer und Einwohner mit Migrationshintergrund. Die Folge waren ensprechende soziale Probleme. Um einer weiteren Ghettobildung entgegenzuwirken, hat die Stadt Diepholz nun das Sanierungsprogramm "Soziale Stadt" aufgelegt . Am 23. Mai 2012 verkündete das "Diepholzer Wochenblatt": "[...] Die Stadt Diepholz möchte einige Häuser abreißen und durch andere ersetzen oder einige der Flächen auch anders nutzen. [...] Auf rund zehn Jahre ist das Projekt angelegt [...] Die dabei anfallenden Kosten schätzt die Stadt auf drei Millionen Euro, wobei ein Drittel aus eigenen Mitteln getragen werden muß, den Rest, hofft man, aus Zuschüssen von Bund und Land finanzieren zu können. [...] 'Wir wollen das Gebiet durch neue Angebote auch für andere Zielgruppen öffnen als bislang', sagt Georg Korte. Selbstverständlich wolle man niemanden aus diesem Gebiet verdrängen [...] Den Stadtteil für heutige Bewohnergruppen aufwerten und zugleich für neue Bewohnergruppen interessant machen - so lautet eine der Zielsetzungen." [ Zit. aus Diepholzer Wochenblatt] Das klingt alles recht gut und fortschrittlich. Ob es ausreichend Zuschüsse gibt, wird wohl davon abhängen, wie sozial die künftige Landes- und Bundesregierung sein wird. Eine Bewertung des Projektes wird frühestens in ein paar Jahren möglich sein. Ich wünsche dafür jedenfalls gutes Gelingen und das Beste. 




Auf dieser alten Postkarte aus den 1960er Jahren wird stolz die damalige Modernität des Stadtviertels im Bereich der Moorstraße gezeigt. Auf dem Bildchen rechts unten ist die oben erwähnte Jugendherberge (ehem. Hitlerjugendheim) zu sehen, die damals noch in fast völlig unveräntertem Originalzustand erhalten war.



Die Moorstaße im Jahre 2012: bunt, aber keine "gute Wohngegend"







Weitere Impression aus der Moorstraße




Sonntag, 27. Mai 2012

Trakehnerhof


Der leerstehende Trakehnerhof im Jahre 2012 vom Postdamm aus gesehen



Das Lohneufer an der Rückseite des Trakehnerhof ist ein sehr romantischer Bereich. Die großen Bäume gehören zum ehemaligen Bier- und Kaffeegarten des Hotels



Der "Gasthof Stadt Osnabrück" auf einer alten Postkarte (vermutlich aus den 1920er oder 30er Jahren). Im Hintergrund die Vorwerksbrücke. Die Lohne war damals deutlich breiter als heute.



Wieder stirbt ein Stück Diepholzer Tradition: Am 25 Mai 2012 meldete das "Diepholzer Kreisblatt", daß das seit vielen Jahren leerstehende und verfallende ehemalige Hotel "Trakehnerhof" am Postdamm unmittelbar südlich des Schlosses demnächst abgerissen wird. Der Postdamm mit der "Vorwerksbrücke" über die Lohne entstand im Auftrag der kurfürstlich hannoverschen Regierung im Jahre 1798 im Zuge des Baus der "Neuen Holländischen Poststraße". Er verband den Willenberg mit der Langen Straße und machte dadurch den Umweg des Verkehrs in und aus Richtung Osnabrück über den nördlichen Willenberg und den Pohl überflüssig. Mit dem Bau des südlichen Teils der Umgehungsstraße Ende der 1960er Jahre verloren die Lange Straße und der Postdamm ihre Funktion als Fernverkehrsstraßen und wurde zu einfachen Stadtstraßen. 

Bereits im Jahre 1860, also noch zur Zeit des Königreich Hannover, entstand am Postdamm südlich der Schloßinsel der "Gasthof Stadt Osnabrück" (der spätere Trakehnerhof). Sein Bier- und Kaffeegarten grenzte unmittbar an das Ufer der Lohne, weshalb sich hier ein Bootsverleih und auch eine Flußbadeanstalt (ab 1877) etablierte. Die Flußbadeanstalt bestand bis zum Bau des Freibades in den 1930er Jahren. Der Gasthof war ein beliebtes Ausflugsziel.



Der Trakehnerhof vom Lohneufer aus gesehen




Das alte Gaststättenschild




Die Rückseite des Trakehnerhof


Später wurde der Gasthof zu einem Hotel mit Restaurant und Biergarten. 1977 kaufte Carl Stolte das Grundstück mit Gebäude und machte es mit einem neuen Pächter zum "Trakehnerhof". Doch spätestens seitdem hier kein Durchgangsverkehr mehr vorbeiführte ging der Umsatz der Gastronomie trotz der außerordentlich prädestinierten Lage am Lohneufer nahe Schloß und Münte zurück. Die Pächter wechselten mehrmals. Keiner von ihnen hatte ein erfolgreiches Konzept. Ab 1999 verpachtete Stolte das Hotel nicht wieder neu und ließ es leerstehen und verfallen. Rund 10 Jahre lang war es mehr oder weniger als Ruine ein Schandfleck der Stadt.
Nun hat sich der jetzige Eigentümer zum Verkauf entschlossen. Ein Bauträger aus Vechta hat bei der Stadt Diepholz eine Bauvoranfrage gestellt. Geplant ist der Abriß des Trakehnerhof und der Bau von zwei großen Villen (Wohnhäuser) mit jeweils 8 Wohnungen. Aufgrund der Lage werden dies vermutlich Luxuswohnungen sein. Details sind aber noch nicht bekannt, auch nicht über die Architektur der Gebäude. Die Stadt steht noch in Verhandlungen mit dem Bauträger. Sobald die Genehmigung erteilt ist, wird mit dem Abriß begonnen. Grundsätzlich ist die Sache wohl zu begrüßen. Schöner wäre aber ein Hotel-Neubau in einem passenden Klinker und/oder Fachwerkstil, der sich in das historische Stadtbild bei Münte und Schloß ein- und an die Tradition des Gasthofes bzw. Hotels "Stadt Osnabrück" anfügen würde. In Diepholz fehlt ohnehin ein attraktives Hotel. Die Lage wäre ideal. Aber auch die geplanten Wohnhäuser können durchaus eine Bereicherung sein, vorausgesetzt, die Architektur paßt in das Gesamtbild. Der Zug scheint aber bereits abgefahren zu sein, und nun kann es nur noch darum gehen, wenigstens die prachtvollen Bäume am Lohneufer zu erhalten. 



Die prachtvollen Bäume des einstigen Bier- und Kaffeegartens




Der Trakehnerhof vom Müntepark aus gesehen



Sonntag, 20. Mai 2012

Bahnhof

Der monströse Bahnhofstunnel von 2010 und die entsprechende Straßenführung keilen das repräsentative, im Jahre 1872 im Stil des Historismus erbaute Empfangsgebäude ein. Der gesamte Vorplatzbereich harmoniert nicht mit dem wertvollen historischen Gebäude.



Am rechten Bildrand befindet sich das Bahnhofshotel Steuding. Es steht sehr nahe an der ehemaligen Bahnhofstraße, die hier nur noch ein schmaler Fußweg ist, und nimmt die Sicht auf den südlichen Teil des Bahnhofskomplexes mit dem historischen ehemaligen Postgebäude. Auf der linken Seite ist dagegen durch die neue Straßenführung zum Tunnel und den neuen Parkplatz alles frei. Dadurch entsteht ein Eindruck von Asymmetrie und Ungleichgewicht, an dem nun kaum noch etwas geändert werden kann.



Nur aus dieser Perspektive von der Bahnhofstraße aus gesehen wirkt die Anlage halbwegs ansprechend, weil man von hier aus das durch den Bau des Tunnels entstandene Ungleichgewicht nicht sieht. Der Fußweg hinter dem Verkehrskreisel müßte eigentlich die gleiche Breite haben, wie die Bahnhofstraße, und die Allee müßte sich lückenlos fortsetzen. Die Blumeninsel, die sich jetzt auf dem Parkplatz vor dem Nordflügel des Gebäudes befindet (im Bild nicht zu sehen), gehört eigentlich in die Mitte vor den Haupteingang (ohne sichtversperrenden Baum und nicht erhöht, versteht sich).  



Der Bahnhofstunnel von der Ostseite aus gesehen. Ein großer Teil der ursprünglichen Gleisanlagen wurde rückgebaut.




Trotz des neuen Bahnhofstunnels mit Zugang zu den Gleisen ist immer noch die alte, häßliche Fußgängerbrücke zu den Gleisen 2 und 3 vorhanden. Dieser Anblick ist der erste Eindruck, den Besucher von Diepholz bekommen. Die Brücke ist zudem gesperrt und kann noch nicht einmal benutzt werden. Wenn Reisende aus Richtung Osnabrück statt dessen auf dem Bahnsteig die Treppe herunter in die Bahnsteig-Unterführung gehen, stehen sie plötzlich im Bahnhofstunnel an der Straße nach Diepholz-Ost, was viele Ortsunkundige sicher mächtig irritiert. 



Der Bahnhof ist für jede Stadt eine Visitenkarte, Eingangstor und wichtige Werbeplattform. Hier nehmen Gäste den ersten Kontakt mit der Stadt auf und bekommen einen ersten, vielleicht prägenden Eindruck von ihr. Deshalb sollten Bahnhof und Bahnhofsvorplatz mit besonderer Sorgfalt und Professionalität geplant und gestaltet werden. Diepholz hat das Glück, daß sein Bahnhofsgebäude ein historischer und denkmalgeschützter, repräsentativer Prachtbau ist. Leider harmoniert das Umfeld durch den im Jahre 2010 gebauten sogenannten "Bahnhofstunnel" (Verkehrsanbindung von Diepholz-Ost an die Bahnhofstraße) nicht mehr mit dem Bahnhof. Durch den Verkehrskreisel und die monströse Unterführung wirkt der Vorplatz, der nun ein Parkplatz ist, asymmetrisch und von der Bahnhofstraße abgetrennt. Die Gestaltung wird dem historischen Gebäude nicht gerecht. Für Änderungen ist es nun zu spät. Die Unterführung dient gleichzeitig als Zugang zu den Bahnsteigen, gewährleistet aber dennoch keine Barrierefreiheit, denn es wurde nur ein Fahrstuhl an den Gleisen 2 und 3 eingebaut. An Gleis 1 müssen die Reisenden in jedem Fall die Treppe hochsteigen oder den sehr langen Umweg mit Steigung die Straße entlang nehmen. Für diesen mißratenen und viel zu teuren Bahnhofstunnel gab es Alternativen, die aber von der Ratsmehrheit vom Tisch gefegt wurden. Beispielsweise hätte man südlich des Bahnhofs am Nährweg die Über- oder Unterführung errichten können. Die Anbindung von Diepholz-Ost wäre dann nicht über die Bahnhofstraße, sondern über die damals geplante Südtangente erfolgt. Als Zugänge zu den Gleisen hätte man eine neue, moderne Fußgängerbrücke auf den Bahnsteigen mit Fahrstühlen errichten können. Damit hätte man sowohl Barrierefreiheit als auch freie Planungsmöglichkeiten für einen ästhetisch ansprechenden, symmetrischen Bahnhofsvorplatz gehabt. Bereits 1982 hatte sich eine Bürgerversammlung für eine solche Unterführung am Nährweg ausgesprochen. 1986 ließ die Stadt ein unabhängiges Gutachten über die Südtangente erstellen. Das Gutachten stellte 11 Varianten (!) vor und empfahl eine Variante mit Südtangente und Unterführung für Radfahrer und Fußgänger am Nährweg. Diese lehnte der Rat im Jahre 1988 jedoch ab. Noch 1992 gab es verschiedene Planungsvarianten für einen Tunnel: Etwa nördlich des Bahnhofs oder am Nährweg nur ein Rad- und Fußgängertunnel, wobei die Kfz über die vorhandene Überführung der Hindenburgstraße (ehemals B 214) fahren. Eine weitere Variante war ein Rad- und Fußgängertunnel am Nährweg in Verbindung mit einer neuen Überführung für Kfz südlich der Südtangente. Der Rat enschied sich jedoch für die nun realisierte Variante mit Unterführung für Radfahrer, Fußgänger und Kfz direkt an der Nordseite des Bahnhof mit gleichzeitigem Zugangang zu den Gleisen. (Quelle: Masterthesis Bahnhofstraße). In meinen Augen ist dieser realisierte Bahnhofstunnel die schlechteste Lösung.


Detail am Empfangsgebäude über dem Haupteingang



Detail am Nordflügel des Empfangsgebäudes




Detail des ehemaligen, heute leerstehenden Postgebäudes neben dem Empfangsgebäude. 



Detail am ehemaligen Postgebäude


Auch im Innern des Bahnhofsgebäudes gäbe es viel zu verbessern, damit das Gebäude seiner Funktion als Eingangstor, Werbeplattform und Aufenthalts- und Begegnungsort besser gerecht wird. Allerdings befindet sich das Gebäude im Eigentum der seit 1994 privatwirtschaftlich agierenden DB AG, weshalb die Stadt keinen Einfluß darauf hat. Die Stadt (damit die Öffentlichkeit) müßte, wenn sie das Innere umgestalten wollte, das Gebäude kaufen und somit erstmal in öffentliches Eigentum zurückführen. Für eine Umgestaltung im Interesse der Reisenden, der Bürger der Stadt Diepholz und ihrer Gäste möchte ich hier ein paar Vorschläge machen. Derzeit wird die halbe Halle von einer völlig überdimensionierten Bahnhofsbuchhandlung belegt. Für die Reisenden bleibt eine Art schlauchförmiger Bereich, an dem sich auf einer Seite das durch eine Glastür abgetrennte Reisecenter befindet. Der Südflügel des Empfangsgebäudes ist für Reisende unzugänglich. Das historisch wertvolle ehemalige Postgebäude steht leer und verfällt. Im Nordflügel des Empfangsgebäudes befindet sich die - von der Halle aus unzugängliche - Bahnhofsgaststätte. Diese ist jedoch für Reisende völlig ungeeignet. Es handelt sich um eine Raucherkneipe mit scheinbar ausschließlicher Stammkundschaft; der Zutritt für Jugendliche unter 18 Jahren ist verboten, und wenn man an der Kneipe vorbeigeht und die Geräusche hört, traut man sich dort ohnehin nicht hinein. Folgendes müßte meiner Meinung nach verändert werden: Die Bahnhofsbuchhandlung sollte in den Südflügel des Gebäudes, neben oder hinter das Reisecenter (auch ein Umzug ist das ehemalige Postgebäude wäre denkbar), damit eine große Halle entsteht. Die Bahnhofskneipe sollte ein anderer Pächter übernehmen, der ein richtiges, stil- und geschmackvolles Bahnhofsbistro sowohl für Reisende als auch für Gäste aus dem Ort einrichtet. Die Trennwand zwischen Bahnhofsbistro und Halle sollte, soweit das aus baustatischen Gründen möglich ist, weitgehend durchbrochen werden, so daß das Bistro optisch Teil der Halle wird. Das unmittelbar südlich an das Empfangsgebäude anschließende historische, ehemalige Postgebäude, könnte - wie oben erwähnt - als Bahnhofsbuchhandlung oder einer anderen, zum Bahnhof passenden Nutzung (unpassende Nutzung ist zu vermeiden) dienen, etwa als Reisebüro oder als VBN-Niederlassung (der ZOB ist ja in unmittelbarer Nähe).  


Wenn man vom Vorplatz in das Empfangsgebäude kommt, bietet sich dieses Bild. Die riesige Bahnhofsbuchhandlung nimmt die halbe Halle ein. Das was noch von ihr übrig ist, befindet sich rechts davon.



Die Halle ist nur noch eine Art von schmalem Flur. Links (knapp nicht mehr im Bild) befindet sich die Bahnhofsbuchhandlung, und rechts hinter der Glastür das Reisecenter.



Sehr rauh: die Bahnhofskneipe im Nordflügel


Hinsichtlich des Eisenbahnverkehrs sollte sich die Stadt um mehr InterCity-Halte bemühen (was allerdings bereits geschehen sein soll, aber die Stadt kann bei der privatisierten DB AG nur als ein Bittsteller auftreten), denn derzeit halten nur sehr wenige InterCity-Züge, und diese ausschließlich in den frühen Morgen- und späten Abendstunden. Tagsüber müssen alle Fernreisenden mit dem Bummelzug fahren und in Bremen bzw. Osnabrück umsteigen, was nicht nur unbequem ist, sondern auch viel Zeit kostet. Desweiteren sollte sich die Stadt für die Wiederinbetriebnahme des Schienen-Personennahverkehrs in Richtung Sulingen/Nienburg einsetzen und - wie die Stadt Rahden - eventuell sogar Mitglied im "Aktionsbündnis Eisenbahnstrecke Bassum-Bünde" (AEBB) werden, das sich mit Unterstützung des Verkehrsclub Deutschland (VCD) für die Wiederinbetriebnahme der Eisenbahnstrecken des Sulinger Kreuzes engagiert. Von einer Bahnverbindung nach Sulingen/Nienburg (mit Anschluß nach Hannover) könnten die Diepholzer und ihr Bahnhof sehr profitieren.

Eine komplette ausführliche Geschichte des Diepholzer Bahnhofs und seiner Bauten finden Sie hier: http://www.eisenbahnkultur.de/html/diepholz.html


Hieran hängen nur noch ein paar Erinnerungen: Die Reste des stillgelegten Güterbahnhofs Diepholz.


Nicht nur der Bahnhof, sondern auch die Eisenbahnstrecke ist historisch. Sie wurde von 1870 bis 1874 als "Hamburg-Venloer Eisenbahn" erbaut und war ursprünglich als transnationale Strecke von Hamburg nach Paris vorgesehen. Realisiert wurde nur die Strecke von Hamburg bis Venlo. Ein Weiterbau erübrigte sich, nachdem auf holländischer und belgischer Seite entsprechende Anschlußstrecken fertiggestellt waren. Interessant ist, daß die Strecke Hamburg-Venlo aus militärstrategischen Günden über Haltern und Wesel nordwestlich am Ruhrgebiet  vorbeigeführt wurde. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg wurde dieser Streckenabschnitt für den internationalen Fernverkehr nicht mehr genutzt, dieser statt dessen ausschließlich über das Ruhrgebiet und Köln geführt. Heute ist die alte Umfahrung größtenteils stillgelegt und gar nicht mehr vorhanden. Ihre eigentliche Bedeutung hatte die Hamburg-Venloer Bahn von Anfang an als Anbindung des Ruhrgebietes an die Seehäfen Bremen und Hamburg. Näheres über die Geschichte der Strecke unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg-Venloer_Bahn